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Abwrackprämien-Portal: Behörde verspricht Nachbesserungen

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Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(Bild: BAFA)

Nach den anhaltenden Zugangsproblemen und den am gestrigen Montag bekannt gewordenen Datenschutzpannen bei der Online-Reservierung für die Auto-Abwrackprämie bemühen sich das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der von ihm beauftragte Dienstleister arago – Institut für komplexes Datenmanagement AG um Nachbesserung. Eine offizielle Bestätigung, dass die neu eingerichtete Website durch arago gehostet wird, gibt es zwar nicht, doch ist der IP-Adressraum, unter dem auch die URL www.ump.bafa.de zu erreichen ist, für die Firma aus Frankfurt am Main reserviert.

Im Gespräch mit heise online kündigte Behördensprecher Holger Beutel an, dass voraussichtlich im Verlauf des morgigen Mittwoch die verschlüsselte Übertragung der Daten der Antragsteller implementiert werde. Zahlreiche Antragsteller hatten moniert, dass Daten zu ihrer Person und zu ihren Autos bislang unverschlüsselt übertragen werden. Die Frage der Datenverschlüsselung ist bei der Entwicklung der Applikation "UMP neu" schlichtweg übersehen worden, räumt man beim BAFA heute ein. Insgesamt hatte die Behörde nur rund zehn Kalendertage Zeit, um ein Antragsverfahren zu entwickeln, das die von der Bundesregierung beschlossene Änderung der Vergabebedingungen berücksichtigt. Seit dem 30. März genügen bereits der Kaufvertrag oder verbindliche Bestellung für den Neuwagen, um sich einen Verschrottungsbonus von 2500 Euro zu reservieren. Ursprünglich konnte die Prämie erst beantragen, wer sein neues Auto zugelassen hatte – Käufer von Pkw mit Lieferfrist fühlten sich entsprechend im Nachteil.

Das Online-Verfahren sei auf Wunsch der Behörde entwickelt worden, erläuterte ihr Sprecher weiter: Wegen der ursprünglichen Deckelung auf 600.000 Prämien in der Reihenfolge der Antragstellung habe die Notwendigkeit bestanden, die Eingangsreihenfolge der Anträge sekundengenau festzustellen. Die zu erwartende Welle von UMP-neu-Anträgen von Leuten, die ihren Kaufvertrag schon in der Tasche hatten, ab dem Stichtag 30. März in Papierform abzuarbeiten, hätte die personelle und räumliche Kapazität des BAFA hingegen überschritten.

Von der am gestrigen Montag durch Leserhinweise publik gewordenen Datenschutzpanne, bei der Reservierungsbestätigungen an falsche Adressaten gesandt worden sind, waren laut BAFA-Sprecher Holger Beutel rund 200 Anträge betroffen. Dieses Problem sei inzwischen behoben. Die Versandfehler erklärte Beutel als mittelbare Folge des Ansturms auf die Website, der durch manche Internet-Knoten laut BAFA als DoS-Attacke fehlinterpretiert worden sei. Die eigentliche Datenpanne sei aber durch die ergriffenen Abhilfemaßnahmen entstanden: Um die Netzlast auszugleichen, habe der IT-Dienstleister einen seiner beiden virtuellen Server verlagert; für einen kurzen Zeitraum seien die Server nicht synchron gelaufen. Dabei sei es dazu gekommen, dass jeder der beiden Server unter derselben Eingangsnummer je einen anderen Datensatz angelegt habe. In der Folge sei die Eingangsbestätigung sowohl an den eigentlichen Adressaten als auch an einen weiteren Adressaten gegangen. Die Antragsteller, die seither vergeblich auf die für sie vorgesehene Bestätigung warten, werden laut BAFA derzeit vom Dienstleister ausfindig gemacht und angeschrieben.

Im Verlauf des heutigen Dienstag erwartet das BAFA, dass die Zahl von 600.000 insgesamt gestellten Anträgen überschritten wird. Keinen Kommentar konnte der Sprecher dazu abgeben, ob die Deckelung der Prämien-Anzahl auf diesen Wert endgültig vom Tisch ist und der Verschrottungsbonus bis Ende 2009 gezahlt wird. Gestern hatte die Bundesregierung noch einmal betont, dass die Abwrackprämie auch bei großer Nachfrage bis zum Jahresende unverändert gezahlt werden solle. Eine dementsprechende, rechtsverbindliche Vorschrift für die Behörde gibt es indes noch nicht. Das BAFA will bis zum Erlass neuer Vorschriften jedenfalls weiterhin Reservierungen entgegennehmen und diese in der Antragsreihenfolge nummerieren.

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(ssu)