Abzocke im Onlinehandel: Mühsamer Kampf gegen Corona-Geschäfte

Verbraucherschützer warnen vor Online-Angeboten, die die Corona-Krise ausnutzen wollen. Plattformen wie eBay und Amazon kommen mit dem Löschen kaum hinterher.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 293 Beiträge

(Bild: KellySHUTSTOC / Shutterstock.com)

Von

Drei Atemmasken für knapp 150 Euro, eine Flasche Händedesinfektionsmittel für 199 Euro: Seit im Zuge der Corona-Krise manche Produkte in Deutschland nur noch schwer zu bekommen sind, tauchen online zahlreiche dubiose Angebote mit teils völlig überzogenen Preisen auf. Verbraucherschützer in Deutschland erhalten nach eigenen Angaben seit einigen Wochen vermehrt Hinweise auf solche Abzock-Angebote – und warnen davor, auf Betrüger und Fakeshops hereinzufallen.

Trotz weit verbreiteter gesellschaftlicher Solidarität rufe eine solche Krise immer auch "windige Geschäftemacher auf den Plan, welche die Ängste und Sorgen der Menschen ausnutzen wollen, um sich zu bereichern", betonte Klaus Müller, Vorstandsvorsitzender des Verbraucherzentralen-Bundesverbands (VZBV), gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

heise online daily Newsletter

Keine News verpassen! Mit unserem täglichen Newsletter erhalten Sie jeden Morgen alle Nachrichten von heise online der vergangenen 24 Stunden.

Auf Nachfrage von heise online bestätigt Carola Elbrecht, Referentin für Marktbeobachtung Digitales beim VZBV, dass sich der überwiegende Teil der Beschwerden, die aktuell bei dem Verband eingehen, um Online-Angebote vor dem Hintergrund der Corona-Krise drehen. "Im Moment haben wir sechs laufende juristische Verfahren in Bezug zu Corona", erklärt Elbrecht. Darunter seien jedoch nicht nur Fälle von überteuerten Hygieneprodukten: "Wir haben auch schon die ersten Abmahnungen zu Heilmitteln verschickt, also zu Präparaten, die angeblich vor dem Coronavirus schützen sollen."

Die juristischen Hürden für eine Abmahnung wegen Preiswucher seien jedoch hoch, erklärt Elbrecht: "Eine Preissteigerung, die Verbraucher im Alltag als Wucher bezeichnen würden, erfüllt oft noch nicht den juristischen Tatbestand." Für Elbrecht kommt außerdem das Problem hinzu, dass betrügerische Onlineshops oft nur kurz im Netz stehen, gerade wenn sie gar keine echten Produkte anbieten: "Bis uns Hinweise von Verbrauchern erreichen, gibt es diese Onlineshops unter Umständen schon gar nicht mehr und die Betreiber machen mit einer anderen Webseite weiter."

Auch auf großen Online-Marktplätzen wie eBay und Amazon finden sich immer wieder überteuerte Angebote. Bereits Anfang März hatte ein 24-Jähriger aus der Nähe von Heidelberg Schlagzeilen gemacht, weil er sich große Mengen an Mundschutzmasken gesichert und sie für ein Vielfaches an Spekulationsgewinnen auf eBay und Amazon verkauft hatte. Inzwischen versuchen die Plattformen, der Flut an Händleraccounts Herr zu werden, die Profit aus der starken Nachfrage nach manchen Produkten zu schlagen versuchen.

Mehr zum Coronavirus:

Gegenüber heise online erklärt ein Sprecher von eBay Deutschland, dass der Verkauf nicht nur von Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier, sondern auch Babynahrung, Windeln und Tampons im Moment nur bestimmten zugelassenen Händlern erlaubt werde. Andere Angebote, die gegen die Richtlinien der Plattform gegen Preiswucher verstoßen, würden möglichst schnell gelöscht. "Hierbei greifen wir auch auf Blockfilteralgorithmen zurück, die die Verwendung von Begriffen wie 'Coronavirus' einschränken", heißt es bei eBay. Es gebe jedoch trotzdem "zahlreiche skrupellose Verkäufer", die versuchten, die Verbote zu umgehen, sodass manche Angebote zeitweise auf der Plattform sichtbar blieben: "Das Arbeitsvolumen für unser Sicherheitsteam ist sehr hoch." Insgesamt habe man im Lauf der Krise eine halbe Million Artikel entfernt und "zahlreiche" Verkäufer suspendiert.

Auch Amazon geht nach eigenen Angaben bereits gegen Preiswucher auf dem Online-Marktplatz vor. In den USA hat das Unternehmen bereits vergangene Woche knapp 4000 Händler gesperrt, die gegen Preisrichtlinien verstoßen haben, insbesondere bei Händedesinfektionsmitteln und Schutzmasken. Eine Sprecherin von Amazon Deutschland erklärt gegenüber heise online: "Wir bieten keinen Raum für Preistreiberei bei Amazon. Wir sind enttäuscht über unlautere Versuche, in einer globalen Gesundheitskrise die Preise für Produkte des Grundbedarfs künstlich zu erhöhen. Und wir haben im Einklang mit unseren langjährigen Verkaufsrichtlinien kürzlich Zehntausende von Angeboten gesperrt oder entfernt." Zuvor hatte Amazon auf seinem Blog bereits klargestellt, dass überzogene Preise und Produkte mit falschen Heilungsversprechen nicht toleriert würden.

Der Bundesverband der Vebraucherzentralen bittet derweil darum, sich über ein Online-Formular zu melden, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher auf verdächtige Angebote stoßen oder glauben, selbst Opfer von Betrugsmaschen geworden zu sein. Explizit gewarnt wird nicht nur vor überteuerten Hygieneartikeln und Fake-Shops, sondern auch vor falschen Heilmittel-Angeboten, Phishing-Mails mit Corona-Bezug und sogar vor Personen, die sich an der Haustür als vermeintliche Coronavirus-Tester ausgeben.

(jk)