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"Acceptable Ads": Werber wollen offenbar Adblock Plus verklagen

Der Konflikt um den Werbeblocker Adblock Plus spitzt sich weiter zu. Wie das Magazin "Focus" berichtet, wollen mehrere Werbevermarkter juristisch gegen den Vertrieb des Werbeblockers vorgehen.

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Das Browser-Plugin Adblock Plus dürfte bei Werbern nicht besonders beliebt sein; gegen den Vertrieb der Software wollen einige jetzt wohl juristisch vorgehen. Gegen Adblock Plus selbst können die Werber wahrscheinlich nicht direkt vorgehen. So wurde der Vertrieb eines Fernseh-Werbeblockers bereits 2004 vom Bundesgerichtshof abgesegnet, nachdem TV-Sender gegen das Produkt "Fernsehfee" geklagt hatten.

Kernpunkt der aktuellen Kritik an Adblock Plus ist daher das "Acceptable Ads"-Modell, das Werbung bestimmter Anbieter in der Voreinstellung nicht blockiert, wenn diese sich an mehrere Bedingungen halten -- zum Beispiel müssen die Werber auf Animationen und Sounds verzichten und dürfen den Lesefluss von Texten nicht beeinträchtigen. Für die Aufnahme auf die Whitelist verlangt Adblock-Plus-Hersteller Eyeo Gebühren in ungenannter Höhe. Zu den zahlenden Kunden gehört Google.

Das empfinden Konkurrenten im Werbemarkt als unzulässige Wettbewerbsverzerrung. Laut Focus planen mehrere große Online-Werbevermarkter wie Axel Springer Media Impact und SevenOne Media juristische Schritte gegen den Werbeblocker. Bereits Ende 2013 hatte der ORF die österreichische Wettbewerbsbehörde eingeschaltet. Die Firma Eyeo hingegen sieht ihr Geschäftsmodell als einwandfrei an und verweist auf ein Rechtsgutachten von Professor Thomas Hoeren von der Universität Münster.

Der Jurist kommt darin zum Schluss, dass der Vertrieb des Werbeblockers wettbewerbsrechtlich unbedenklich ist, da die Nutzer über den Einsatz des Blockers selbst entscheiden und Wettbewerber nicht gezielt behindert werden. Gleichzeitig negiert Hoeren auch eine allgemeine Marktbehinderung mit der Begründung, dass die Beeinträchtigung durch Werbeblocker "in keiner Weise eine spürbare Marktbeeinflussung darstellt". Diese These wird von den Vertretern vieler Onlinemedien jedoch heftig bestritten.

So starteten mehrere deutsche Nachrichtenportale im vergangenen Jahr eine Kampagne gegen den Einsatz des Werbeblockers, der gerade bei technisch orientierten Angeboten erhebliche Verluste verursache. Gegenüber heise online bestätigt SevenOne Media Überlegungen gegen Adblock Plus vorzugehen -- neben juristischen Schritten würden auch technische Maßnahmen geprüft, erklärte eine Sprecherin.

Allerdings erwies sich Adblock Plus in der Vergangenheit gegen Versuche, Nutzer auszusperren oder die Filter zu umgehen als weitgehend immun. So wurden die Anti-Adblock-Nachrichten der deutschen Nachrichtenportale schon nach wenigen Stunden blockiert.

[Update 03.02.2014 - 13:00 Uhr] Bereits im Herbst 2013 hatte die ProSiebenSat1 Digital GmbH versucht vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen Adblock Plus zu erwirken, hatte den Antrag nach der mündlichen Verhandlung jedoch wieder zurückgezogen. (mho)

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