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Action-Rollenspiel Nioh im Test: Die dunklen Seelen des Samurai

In Nioh kreuzt das Entwicklerstudio Team Ninja das beinharte Spielprinzip der Dark-Souls-Reihe mit der schnittigen Kampfkunst der Samurai. Wir haben uns der Herausforderung in den dunklen Gassen Londons und Japans gestellt.

Nioh im Test: Die Dunklen Seelen der Samurais

(Bild: Tecmo)

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Im Action-Rollenspiel Nioh, das am heutigen Dienstag für die Playstation 4 auf den Markt kommt, steuert der Spieler den legendären ersten westlichen Samurai durchs frühneuzeitliche Japan, wo er vornehmlich beinharte Kämpfe gegen Menschen und Dämonen besteht.

Die historischen Fakten verarbeiten die Entwickler von Team Ninja noch freier als es James Clavell in seinem Roman-Bestseller Shogun zu tun pflegte, denn der Schriftsteller verzichtete immerhin auf Monster und ähnliche Fantasy-Accessoires. Team Ninja, die rund zehn Jahre an Nioh arbeiteten, konzentrierten sich auf die Action-Aspekte der Fernost-Reise des Briten William Adams. Anfangs entkommt der Held aus einem Londoner Kerker und schlägt sich durch das London des Jahres 1600. Dabei lernt der Spieler das Kampfsystem kennen, das Ähnlichkeit mit Spielen der Serie Dark Souls aufweist, insbesondere mit dem jüngsten Teil Dark Souls 3. Statt wild auf die Gegner einzudreschen, führt einzig überlegtes Vorgehen zum Erfolg. In welcher Höhe William die Waffe hält, lässt sich festlegen: Er sticht von oben, aus der Mitte oder von unten zu, wobei die Wahlmöglichkeit ihm taktische Freiheiten beschert.

Es erfordert einige Übung, bis der Spieler die Steuerung für die gewählte Waffe verinnerlicht hat. Die Schwerter, Wurfsterne, Zauberstäbe und anderen Überlebens-Werkzeuge darf er vorab ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu entwickeln. Für erworbene Punkte kauft der Spieler Schlag-Combos, was sich auszahlt, insbesondere im Kampf gegen die widerstandsfähigen Level-Bosse.

Der Spieler muss Blößen des Gegners erkennen und ausnutzen, mit der eigenen Energie haushalten und im Zweifelsfall ausweichen. Das Inventar füllt sich rasch, mehr als in Dark Souls 3 muss der Spieler Krimskrams-Management betreiben. Dabei stören die kleinteiligen und unübersichtlichen Menüs die rasche Handhabung. Hilfreich sind Heiltränke auf einer Kurztaste, wobei das Einnehmen stets einige Sekunden kostet und den Gegner nicht davon abhält, gerade während des Trinkens zuzuschlagen.

Die Kämpfe sind hart, mindestens ebenso hart wie in Dark Souls 3, wobei keine Schwierigkeitsstufen zur Auswahl stehen. Dabei ärgert man sich arg, wenn William vor Erschöpfung nicht zur Seite zu springen vermag, so dass der Gegner ihn mit einer einfachen Schwert-Combo niedermacht. Umso wichtiger ist es, die Bewegungsroutinen der verschiedenen Gegnertypen zu kennen. Wachsoldaten sind flink, Oger bewegen sich langsam und schlagen dann abrupt zu. Manche Dämonen setzen Zauberkräfte ein, so dass sich Williams Energieleiste langsamer füllt. Entkommen kann man den Feinden nicht, sie verfolgen einen unermüdlich durch Zimmer und über Treppen. Die Gegner lassen sich manchmal zu Ausfällen verleiten, die der kluge Spieler nutzt, indem er den ins Leere taumelnden Dämonen rasch von hinten attackiert.

Das gelegentliche Sterben lässt sich nicht vermeiden, insbesondere im gleichzeitigen Gefecht mit zwei und mehr Gegnern hat der Spieler stets den Game-over-Schriftzug vor Augen. Wie bei Dark Souls sammelt William nach dem Ableben seine Seelenkraft ein, nachdem er zum Sterbeort zurückgelaufen ist und dort die Totschläger erledigt hat. Das häufige Sterben zehrt an den Nerven, hingegen mindern die kurzen Ladezeiten und die trotz des hohen Schwierigkeitsgrads fairen Gegner die Frustration und lassen den Spieler zähneknirschend selbst den zehnten Neuversuch verkraften, ohne das Gamepad in die Ecke zu pfeffern.

Nioh im Test

Die Kulissen sehen hübsch aus, erreichen dabei nicht annähernd die Opulenz der Bauten in Dark Souls 3. Die japanischen Tempel und Schreine bedeuten eine ästhetische Abwechslung vom Fantasy-Standard. Die Interieurs indes sind objektarm gestaltet, einige der Möbelstücke wirken bröselig. Zudem haben die Entwickler die Spielwelt an einigen Stellen schlecht ausgeleuchtet, so dass man durch Straßen und über Friedhöfe läuft, die nur von einigen wenigen Funzeln erleuchtet werden und die Orientierung erschweren. Dark Souls 3 wirkt nicht minder schummrig, doch stets sind alle Figuren und Objekte in der jeweiligen Szene gut zu erkennen. Die Gegner bewegen sich überzeugend, wobei sie meist schematisch vorgehen und Individualität vermissen lassen. Der Soundtrack klingt stimmungsvoll, die wenigen englischen Dialoge sind zusätzlich untertitelt, wobei die Story meist keine große Rolle spielt und nur dazu dient, die nervenaufreibenden Kämpfe miteinander zu verbinden.

Wer eine PS4 Pro besitzt, darf eine höhere Auflösung (bis 4k) wählen sowie eine schnellere Framerate mit geringerer Detailfülle. Empfehlenswert ist das nicht, denn bei maximalen Details laufen die Kämpfe gleichfalls flüssig, nur selten ist ein schwaches Stocken spürbar, das sich nicht negativ auf die Kämpfe auswirkt. Eine Veröffentlichung für andere Plattformen wie Xbox One oder Windows ist derzeit nicht geplant.

Als Fernost-Variante von Dark Souls 3 macht Nioh nicht zuletzt wegen des originellen Kampfsystems eine gute Figur. Indes trüben kleinteilige Menüs den Spaß, der gar nicht erst aufkommt, wenn sich der Spieler unzureichend ausgerüstet in die Schlacht stürzt und deren Feinheiten missachtet. Insofern ist Nioh ein Abenteuer, in das sich nur überaus frustresistente Genre-Fans stürzen sollten. (Peter Kusenberg) / (hag)

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