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Malprogramm Fresco: Adobe will das digitale Malen intuitiv und einfacher als Photoshop machen

Adobe kündigt Malprogramm Fresco an

Dieses Bild mit dem Titel "Dodge Valiant" von Tommy Lee Edwards entstand in der Mal-App Adobe Fresco.

Adobe Fresco erscheint zunächst für das iPad und später erst für Windows sowie andere Plattformen. Die App soll alle vorherigen Adobe-Mal-Apps ersetzen.

Adobe möchte mit Adobe Fresco, ursprünglich vorgestellt unter dem Namen Project Gemini [1], das digitale Malen abermals neu erfinden und sucht sich als Plattform Mobilgeräte mit Touch-Oberfläche aus. Zielgruppe sind die Nutzer von iPad Pro, Microsoft Surface und Wacom Mobile Studio Pro, wobei Fresco zunächst nur fürs iPad angekündigt ist.

Das Malprogramm soll besonders intuitiv sein und damit Nutzer locken, die von Photoshop eher abgeschreckt sind. Photoshop sei kompliziert, diene zum Malen, zur Fotobearbeitung, für Bildkomposition, UX-Design und 3D-Bearbeitung. Außerdem entkoppele das Konzept Eingabe und Wiedergabe, so Adobe.

Die App unterstützt Ebenen. Die Dokumente aus Fresco sollen sich mit Photoshop und Illustrator weiterverarbeiten lassen. Mit der iOS- und Android-App Adobe Capture können Nutzer wie gehabt Pinselspitzen erzeugen und diese in der App verwenden.

Adobe Fresco unterstützt Ebenen und verschiedene Pinselwerkzeuge, beispielsweise Wasserfarben.

Adobe Fresco unterstützt Ebenen und verschiedene Pinselwerkzeuge, beispielsweise Wasserfarben.

Standardmäßig öffnet die App mit eingestelltem Bleistift-Werkzeug, das auf Neigung und Druck reagiert. Bei geneigtem Stift, zeichnet das Werkzeug flachere Linien, soll sich ähnlich verhalten wie ein Bleistift auf Papier.

Beim Wasserfarbenwerkzeug kann man über Regler einstellen, wie viel Farbe und wie viel Wasser das Werkzeug auftragen soll. Nach einem Pinselstrich fließen Pigmente und Wasser in Echtzeit ineinander. Die Farben bleiben ewig nass, also auch nach erneutem Öffnen eines älteren Dokuments. Bei Bedarf arbeitet Fresco aber auch trocken über nass.

Ein Ölfarbenwerkzeug steht ebenfalls bereit. Hier lassen sich die Farbe und die Dicke des Auftrags beeinflussen. Ein Pinselstrich nimmt die darunterliegende Farbe auf und trägt sie weiter, wenn man sich entscheidet, den Pinsel nicht zu reinigen.

Die Mutter der App stellte Adobe unter dem Titel "Project Gemini" Ende 2018 vor.

Die Mutter der App stellte Adobe unter dem Titel "Project Gemini" Ende 2018 vor.

Fresco bringt Photoshops Pinsel-Engine mit, soll bestehenden Pinselspitzen in gängigen Formaten importieren können und skalierbare Vektorpinselspitzen unterstützen. Die bisher genannten Werkzeuge tragen Pixel auf. Die App arbeitet dabei in einer Auflösung von bis zu 8K.

Mit einem Touch-Modifier kann man den Pinsel in einen Radierer wandeln, der die gleichen Einstellungen behält wie der Pinsel. Colorationen lassen sich mit den Photoshop-üblichen Überblendmodi miteinander verrechnen. Wer nicht so gut freihand zeichnet, kann ein Foto in den Hintergrund laden und darübermalen, beispielsweise um das Foto zu verfremden.

Außerdem unterstützt die App Vektorwerkzeuge, deren Eingaben auf Vektorebenen gespeichert werden. Eine Glättungsfunktion zieht gezeichnete Vektorlinien gerade und eignet sich besonders gut für Kalligrafien. Diese Werkzeuge stammen aus der App Adobe Illustrator Draw.

Vektorzeichnungen lassen sich in den Formaten JPEG, PNG, PDF und PSD exportieren. Beim PDF-Export erhält Adobe die Ebenen und Vektoren, sodass sich diese nach Import in Illustrator weiterverarbeiten lassen. Außerdem exportiert Fresco Timelapse-Videos, die das Entstehen einer Zeichnung dokumentieren. Die App soll auch Live-Streaming ermöglichen.

Adobe experimentiert seit Jahren mit Mal-Apps und hat dabei eine recht unübersichtliche Landschaft produziert. Die Apps Illustrator Draw, Illustrator Line und Photoshop Sketch sollen mit dem Erscheinen von Adobe Fresco langfristig der Vergangenheit angehören. Es gibt sie noch, sie werden aber vermutlich nicht mehr weiterentwickelt.

Die App befindet sich noch im Betastadium und soll dieses Jahr für Geräte mit iOS 12.4 erscheinen. Was sie kosten soll, steht noch nicht fest. Einige Funktionen wie Verarbeitung in hoher Auflösung und ausgesuchte Photoshop-Optionen sollen Kunden der Creative Cloud vorbehalten bleiben. Für Einsteiger soll es allerdings ebenfalls eine Version geben. (akr [2])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4494497

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Adobes-dritte-Generation-mobiler-Apps-4190279.html
[2] mailto:akr@ct.de