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Adobe will einheitliches Format für Digitalkamera-Rohdaten etablieren

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Wer seine Aufnahmen im Rohdatenformat der Kamera anstatt als JPEG speichert, verlagert die Verarbeitung der Digitalbilder auf den Rechner -- und kann damit wichtige Parameter wie den Weißabgleich, die Farbgebung sowie das Nachschärfen zuhause am kalibrierten Monitor fein einstellen.

Doch "das Camera Raw" existiert nicht. Vielmehr hat sich ein Dickicht höchst spezieller Rohdatenformate entwickelt, in dem nicht mal alle Modelle eines Herstellers zueinander kompatibel sind. Bei Canon beispielsweise heißt es .CRW (Canon Raw), bei Nikon .NEF (Nikon Electronic Image Format) und bei Olympus .ORF (Olympus Raw Format). Fotografen, die ihre digitalen Negative archivieren und die Vorteile der späten Kontrolle auch in 20 Jahren noch nutzen möchten, dürften im Laufe ihres bewegten Fotografenlebens und diverser Kamerawechsel eine stattliche Sammlung zueinander inkompatibler Datenformate ansammeln -- nebst zugehöriger Konverter und Hardware, auf denen diese Software noch läuft.

Adobe hat nun eine eigene Spezifikation für ein Rohdatenformat vorgestellt, in welche sich sämtliche Raw-Varianten überführen lassen sollen. Das Digital Negative (DNG) sieht der Publishing-Konzern nicht nur als Archivierungsformat, in welches der Fotograf seine Rohdaten konvertiert. Über kurz oder lang möchte er DNG als Standard-Raw etablieren, welches wie JPEG von sämtlichen Digitalkameras direkt geschrieben wird. Der zusätzliche Konvertierungsschritt vom proprietären Raw zum DNG würde damit überflüssig werden.

Um sein digitales Negativ zu verbreiten, hat Adobe die Spezifikation offen gelegt und einen kostenlosen Konverter zum Download gestellt, der zahlreiche Raw-Varianten nach DNG überführen kann. Das ebenfalls heute veröffentlichte Update für Adobes Camera-Raw-Plug-in ermöglicht zumindest Photoshop-CS-Besitzern, damit zu experimentieren. Auch die für Oktober angekündigte Version 3 von Photoshop Elements soll DNG unterstützen. Bleibt abzuwarten, wie andere Software- und vor allem die Kamerahersteller das Format annehmen. Gerade Entwickler von Bildbearbeitungs- und -datenbankensoftware dürfte ein solcher Standard gelegen kommen, denn gerade kleinere Firmen sind mit der Implementierung und Pflege des wachsenden Raw-Aufkommens häufig überfordert.

DNG basiert auf dem TIFF-EP-Format, die Daten werden im nativen, also linearen, Farbraum der Kamera konserviert. Wahlweise lassen sich die Original-Sensor-Daten (CFA-Pattern) speichern oder deren interpolierte Form, bei welcher bereits für jedes Pixel die RGB-Werte aus den jeweils benachbarten Rot-, Grün- und Blau-Werten berechnet wurden. Die für den Weißabgleich oder die Farbraumkonvertierung wichtigen Parameter sollen automatisch in den Metadaten gespeichert werden -- ferner ist das digitale Negativ mit EXIF-, IPTC- und XMP-Feldern ausgestattet. Den möglicherweise skeptischen Kameraherstellern verspricht Adobe, das "Digital Negative" ließe sich so weiter entwickeln, dass es den technischen Neuerungen künfitger Kameramodelle Rechnung trage.

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