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Adressverwalter einigen sich auf Verteilung der letzten IPv4-Blöcke

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Die IP-Adressverwalter (Regional Internet Registries, RIR) aller fünf Regionen (AfriNIC, APNic , ARIN, LacNIC und RIPE) sind sich einig darüber, wie die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzen IPv4-Adressblöcke verteilen soll. Jeweils einer der letzten fünf vorhandenen Blöcke soll an jede der fünf RIRs vergeben werden. Das berichteten Experten auf der 57. Tagung des für Europa und Teile Asiens zuständigen RIPE (Réseaux IP Européens) in Dubai. Der bei der IANA vorhandene Vorrat an IPv4-Adressen reicht voraussichtlich nur noch bis Januar 2011. Die einzelnen Registries können noch bis Dezember 2011 die restlichen Adressen an Internet Service Provider weitergeben.

Seit einem Jahr hatten die Adressverwalter und ihre Mitglieder über die Regeln diskutiert, nach denen die abnehmenden Adressressourcen vergeben werden sollten. In Afrika und Lateinamerika hatten sich die Mitglieder der Organisationen zunächst dafür ausgesprochen, die letzten 25 IPv4/8-Blöcke (nach CIDR-Terminologie) gleichmäßig auf die Registries zu verteilen. Sie hatten argumentiert, Gesellschaften, die später ins "Internetgeschäft" eingestiegen sind, würden so nicht ihrer Entwicklungsmöglichkeiten beraubt. Die Verteilung von IPv4-Adressen ist historisch bedingt relativ unausgewogen. Nordamerika und Europa haben die größten Anteile. Kompromissvorschläge wollten die Zahl auf 2 /8-Blöcke reduzieren. Nun haben sich alle Regionen dafür augesprochen, die Adressen bis auf fünf Blöcke zu vergeben.

Als Nächstes müssen die RIRs ihre eigenen Regeln für die Vergabe der letzten Adressreserven festlegen. Dabei können die Regionen nun unabhängig entscheiden, "ob sie weiter wie bisher Adressen zuteilen bis zum Ende mit Schrecken, oder ob sie kleinere Häppchen ausgeben", wie Gert Döring, Leiter der für Adresspolicy zuständigen RIPE-Arbeitsgruppe, die Möglichkeiten beschrieb.

Axel Pawlik, Geschäftsführer des RIPE NCC, des operativen Arms des RIPE, wies gegenüber heise online darauf hin, dass immer wieder IP-Adressen auch auf eBay gesichtet würden. Um einen Schwarzmarkt zu vermeiden, halten es viele der Experten für sinnvoll, Transfers zuzulassen. ARIN-Vertreter argumentierten hingegen damit, IP-Adressen seien eine öffentliche Ressource, nicht eine handelbare Ware. Pawlik sagte demgegenüber, eine niedere Schwelle für die Meldung solcher Transfers an die Registries ermögliche es ihnen, ihre Datenbanken über die Nutzung von Adressen aktuell zu halten. Die Transferspolitik für die RIPE-Region wird in den kommenden Tagen in Dubai weiter diskutiert.

Vertreter des lokalen Telekommunikationsproviders Etisalat – bis 2006 Monopolanbieter – und der Regulierungsbehörde von Saudi-Arabien berichteten beim ersten RIPE-Treffen im Nahen Osten von ihren Schritten zur Einführung von IPv6. Etisalats Vertreter musste dabei Kritik einstecken, Konferenzteilnehmer prüften nämlich während des Vortrags über das Projekt die IPv6-Verbindung und teilten mit, dass diese nicht funktioniere.

Zur drohenden Knappheit von IPv4-Adressen sowie zu den Bemühungen und Übergangsszenarien für IPv6 siehe auch:

(Monika Ermert) / (anw)