Menü
MWC

"Advanced HDR by Technicolor": Darum geht es beim noch (fast) unbekannten HDR-Format

Ab und an taucht das von Technicolor entwickelte Verfahren zur Übermittlung und Wiedergabe von Videos mit erhöhtem Kontrastumfang in Ankündigungen auf. heise online hat auf dem MWC geschaut, was hinter dem Format steckt.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 19 Beiträge

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Von

HDR10, Dolby Vision, HLG und HDR10+: Wer sich mit der Speicherung, Übertragung und Wiedergabe von – in der Regel hochaufgelösten – Videos mit erhöhtem Kontrastumfang auch nur im Ansatz beschäftigt, trifft immer wieder auf diese vier Formate.

Gelegentlich taucht in Pressemitteilungen aber noch ein weiteres Format namens "Advanced HDR" beziehungsweise "Technicolor HDR" auf – zuletzt etwa bei der Ankündigung der neuen LG-TV-Generation. Nähere Erläuterungen gibt es üblicherweise nicht, ebensowenig einen Hinweis, wo man passendes Material bekommen könnte. heise online suchte daher den MWC-Besprechungsraum von Technicolor auf, das das Format zusammen mit Philips entwickelte.

Dabei stellte sich heraus, dass Advanced HDR aktuell vor allem auf den Broadcasting-Bereich abzielt: Technicolor trifft sich auf dem MWC mit Sendern, um ihnen ihr HDR-Format schmackhaft zu machen; Verbreitungswege wie Ultra HD Blu-ray oder Videostreaming sind in Barcelona kein Thema.

Damit ist auch klar, dass Advanced HDR (zumindest aktuell) nicht im Wettbewerb mit HDR10, Dolby Vision oder HDR10+ steht, die in den letztgenannten Bereichen konkurrieren. Technicolor tritt vielmehr gegen HLG (Hybrid Log-Gamma) an, das praktisch alle aktuellen UHD-Fernseher unterstützen und bei Sky für die zukünftige 4K/HDR-Übertragung in den Startlöchern steht.

Diese Settop-Box für Advanced HDR ist ein Prototyp für Tests und Vorführungen. Ein kommerzielles Produkt ist aktuell nicht in Sicht.

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Laut Technicolor habe Advanced HDR einige Vorteile gegenüber HLG. Letzteres nutzt, um Abwärtskompatibilität zu SDR herzustellen, im unteren Teil der Übertragungsfunktion eine typische Gamma-Kurve des aktuellen REC709-Standards, während in der oberen Hälfte eine Log-Funktion “angeklebt” wird. HLG ist statisch, individuelle Metadaten für einzelne Szenen gibt es nicht. Die maximale Spitzenhelligkeit liegt bei 1000 Nits alias cd/m2.

Advanced HDR arbeitet laut Technicolor hingegen dynamisch und mit einer Spitzenhelligkeit von bis zu 10.000 Nits. Dennoch sollen sich die SDR- und die HDR-Version des Videos in einem Datenstrom übertragen lassen. Apropos SDR: Laut Technicolor stellt HLG die Farben bei der SDR-Wiedergabe im Unterschied zum eigenen Format nicht korrekt dar.

Zum Abschluss präsentierten die Entwickler noch den Prototyp einer Settop-Box für Advanced HDR, bei dem sich die Bildausgabe an der Spitzenhelligkeit des angeschlossenen Fernsehern auf Knopfdruck anpassen ließ. Das funktionierte bei der Vorführung sehr gut. Ein Wermutstropfen: Der Sender kann am Ende entscheiden, ob er diese Funktion sperrt.

Laut Technicolor ist Advanced HDR bereits offizieller Teil des Rundfunkstandards ATSC 3.0; hinsichtlich der Aufnahme in die DVB-Spezifikation stünde man aktuell mit dem zuständigen Konsortium in Kontakt. Die Übermittlung der Advanced-HDR-Daten über HDMI ist in dessen aktueller Version 2.1 spezifiziert. (nij)