AfD- und Nichtwähler nutzen wenig Nachrichtenquellen

Forscher der Uni Ulm haben den Zusammenhang von Alter, Parteienpräferenz und anderen Merkmalen mit der Nutzung von Nachrichtenquellen untersucht.

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(Bild: desdemona72 / Shutterstock.com)

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Nicht- und AfD-Wähler sowie Unterstützer von kleinen Parteien, die üblicherweise unter "sonstige" summiert werden, nutzen die wenigsten Nachrichtenquellen. Sie könnten somit in einer Blase gefangen sein, haben Psychologinnen und Psychologen der Universität Ulm durch eine Umfrage ermittelt. Insgesamt hätten junge Menschen, die sich ausschließlich über Newsfeeds sozialer Medien informieren, ein vergleichsweise hohes Risiko, in eine Filterblase oder Echokammer zu geraten.

Personen, die die AfD, eine sonstige Partei oder gar nicht wählen, hatten in der Umfrage unter 1861 Personen die niedrigste Anzahl konsumierter Nachrichtenquellen angegeben. Im Vergleich zu anderen Probanden hätten AfD-Wähler zudem die höchsten Werte bei autoritären Einstellungen aufgezeigt, heißt es aus Ulm.

Ältere Teilnehmende nutzen insgesamt mehr Nachrichtenquellen als jüngere, hat die Studie weiter ergeben. Zudem konsumieren Männer mehr Informationskanäle als Frauen. Personen, die mehrere unterschiedliche Quellen nutzen, scheinen vergleichsweise offener und weniger autoritär eingestellt zu sein.

Linken-Wähler sind anscheinend breit gefächert in ihrer Nachrichtenauswahl.

(Bild: 

C. Sindermann et al. Heliyon 6 (2020))

Die Gruppe derjenigen, die sich ausschließlich in sozialen Medien informiert, ist mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren am jüngsten, das höchste Durchschnittsalter haben mit 36 Jahren jene Teilnehmende, die sich nur offline (Zeitung, TV oder Radio) informieren. Diese Gruppe zeige die höchsten Werte in Gewissenhaftigkeit und den geringsten in Neurotizismus.

"Die Newsfeed-Gruppe hat das größte Risiko, in einer Filterblase oder Echokammer gefangen zu werden: Mitglieder nutzen nur eine Art von Nachrichtenquelle, in der auch noch potenziell stark selektierte Informationen angeboten werden. Dazu kommt die für soziale Medien typische eigene Selektion, die die Vorauswahl durch Algorithmen noch einmal potenzieren kann", erklärt die Ulmer Forscherin Dr. Cornelia Sindermann. Insgesamt sehen die Forschenden aber nur bei weniger als fünf Prozent der Befragten die große Gefahr, tatsächlich in Filterblasen oder Echokammern zu geraten.

Nutzer könnten Filterblasen und Echokammern vermeiden, wenn sie sich aus verschiedenen Quellen informieren. Daher meinen die Forscher, dass die Anzahl der konsumierten Nachrichtenquellen und die Kategorie dieser Kanäle wie Newsfeed, Online-Nachrichtenseite, Printmedium und Fernsehen Hinweise auf das Risiko geben können, in eine Blase oder Echokammer zu geraten.

In einem neuen Projekt wollen die Forscher der Uni Ulm untersuchen, ob das Erkennen von "Fake News" im Gegensatz zu "wahren Nachrichten" ebenfalls mit dem Nachrichtenkonsum zusammenhängt. Die Datenerhebung ist bereits angelaufen und steht Interessierten zur Teilnahme offen. (anw)