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Affäre um Internet-Firma bringt Börse in Tokio ins Stocken

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Die Gemüter an der Börse in Tokio kommen nicht zur Ruhe. Erstmals in der Geschichte der Tokio Stock Exchange wurde heute der gesamte Handel ausgesetzt. Als Begründung wird in einer Mitteilung ein starker Anstieg an Verkaufsorder und Abwicklungen angegeben. Da die Zahl der Transaktionen möglicherweise die Kapazität des Handelssystems überstiegen hätte, wurde der Handel 20 Minuten vor dem regulären Schluss beendet.

Als Ursache für das rege Treiben werden in Medienberichten Befürchtungen der Anleger vor negativen Folgen der Ermittlungen gegen das Internet-Unternehmen Livedoor angegeben. Die kleine Firma steht im Verdacht, falsche Informationen verbreitet zu haben. Sie soll Gewinne mehrerer angeschlossener Unternehmen in die eigene Bilanz übertragen haben, um Verluste zu vertuschen. Gestern war eine Razzia der Staatsanwaltschaft bei Livedoor bekannt geworden. Firmenchef Takafumi Horie versprach, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Die Livedoor-Aktie verlor in den gestrigen ersten Börsenstunden 14,4 Prozent und wurde später vom Handel ausgesetzt. Offenbar befürchteten Anleger, von dieser Affäre mitgerissen zu werden, Panikverkäufe waren die Folge, heißt es in den Berichten. So sei das Handelssystem durch 4 Millionen ausgeführte Transaktionen fast an sein Limit geraten, das bei maximal 4,5 Millionen liege; 7 Millionen Orders waren noch verzeichnet. Der vermutete Kapazitätsengpass habe selbst zum "Orderstau" beigetragen, schreibt die Financial Times Deutschland. Die Ankündigung, dass das Computersystem am Limit sei und der Handel früher eingestellt werde, habe zu einer weiteren Verkaufswelle geführt.

Der Nikkei-Index hatte im Handelsverlauf zeitweise mehr als 4 Prozent eingebüßt. Zu dem vorgezogenen Handelsschluss notierte der Index bei 15.341,18 Punkten und damit 464,77 Punkten oder 2,94 Prozent niedriger als am Vortag. In den kommenden Tagen wird die Handelszeit in Tokio möglicherweise verkürzt.

Anfang November vorigen Jahres sorgte eine fehlerhafte Software von Fujitsu für einen Handelsausfall an der Börse Tokio. Dafür mussten später Fujitsu-Manager geradestehen. Kurz vor Winteranfang trat der Chef der Tokio Stock Exchange zurück und zog damit die Konsequenz aus einem weiteren Vorfall von Anfang Dezember 2005, bei dem ein Broker versehentlich eine falsche Verkaufsorder in das Handelssystem eingegeben hatte: Das Computersystem reagierte aber nicht auf die Fehleingabe und ließ zeitweise auch keine Korrektur zu.

Siehe dazu auch: (anw)

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