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Technology Review

Afrika: Eine App gegen Korruption

In Uganda soll künftig mit einer Android-Anwendung mehr Transparenz in das Verwaltungswesen geholt werden.

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Afrika: Eine App gegen Korruption

(Bild: Leonie March)

Josephine Nabwani zuckt ratlos mit den Schultern. Die Grundschuldirektorin weiß nicht, wie hoch das Budget ist, das das Bildungsministerium für ihre Schule vorgesehen hat. Das seien schließlich Regierungsinformationen. "Ich kenne nur die Summen, die uns überwiesen werden." Die Zahlungen würden schwanken und kämen nicht immer pünktlich. Ihr gegenüber nickt ein smarter junger Mann in dunklem Anzug verständnisvoll und zückt sein Smartphone. "Dann schauen wir mal nach."

Gerald Businge tippt auf das Icon einer App, die er mitentwickelt hat. Auf dem Display erscheint eine Landkarte, die per GPS den aktuellen Standort darstellt – den Wakiso-Distrikt in Uganda. Icons markieren alle staatlichen Kliniken und Grundschulen. Mit einem weiteren Tipp öffnet der 35-Jährige eine Tabelle. Direktorin Josephine Nabwani macht große Augen. Dort steht schwarz auf weiß, wie viel Geld ihre Schule pro Jahr und pro Quartal erhalten soll. Sie ist sprachlos, dass ihr Budget kein Staatsgeheimnis ist.

Ziel der App ist es, mehr Transparenz in die öffentlichen Haushalte zu bringen und damit Korruption und Misswirtschaft aufzudecken, berichtet Technology Review (April-Ausgabe aktuell im Handel oder online zu bestellen). Sie ermöglicht es Bürgern zu sehen, welche staatlichen Gelder für welche Zwecke vorgesehen sind. Sie sollen dann vor Ort überprüfen, ob diese Gelder auch wirklich ankommen. Einfache Bürger werden so zu Whistleblowern. "Action for Transparency" nennt sich das ehrgeizige Pilotprojekt, das auf eine Initiative schwedischer Medienwissenschaftler zurückgeht und momentan in Uganda und Sambia getestet wird. "Es ist schwieriger, etwas zu stehlen, wenn jemand zuschaut", betont Businge.

Eine aufgeklärte Zivilgesellschaft sei das wichtigste Instrument gegen Korruption. Was einfach aussieht, sei harte Arbeit gewesen, erzählt Projektkoordinator Businge. Eigentlich sind die Budgets öffentlich, aber trotzdem nicht leicht zu bekommen. Beamte hätten ihn auf der Suche nach den Daten monatelang von Behörde zu Behörde geschickt. Auch die Umsetzung habe sich schwieriger gestaltet als gedacht. "Zwar sieht man überall in Uganda Leute mit Handys, aber nur wenige wissen, wie man eine App bedient." Das Team musste Bürgern die Miniprogramme also erst nahebringen. Da gerade in ländlichen Regionen nicht jeder ein Smartphone besitzt, verteilte es zudem Tablets, die die Dorfbewohner nun gemeinsam nutzen.

Das Interesse ist "überwältigend", erzählt der Journalist und Dozent für soziale Medien freudestrahlend. Nach Schulschluss steht er immer wieder in Klassenzimmern – nur dass diesmal Erwachsene die kleinen Holzbänke drücken. Geduldig demonstriert Businge, was sie tun müssen, wenn ihnen auffällt, dass staatliche Gelder nicht so ausgegeben werden wie vorgesehen, wenn etwa ein neues Klassenzimmer vorgesehen war, bislang aber keines gebaut wurde. Mit einem Klick auf den "Whistle"-Button öffnet sich ein Kommentarfenster. Wer es nutzt, bleibe anonym, beruhigt Businge. Keiner müsse Angst haben.

Alle Hinweise wertet "Transparency International" in Uganda aus. Der ostafrikanische Staat rangiert im weltweiten Korruptionsindex momentan auf Platz 142 von 174. Dieser Wert werde sich mithilfe der App verbessern, hofft Moses Karatunga, Programmdirektor der NGO. "Bei vielen Beschwerden handelt es sich einfach um schlechtes Finanzmanagement, aber auch echte Korruptionsfälle sind darunter." Karatunga erzählt von einer Schule, die offenbar nur auf dem Papier existiert. Über die App hätten Bürger gemeldet, dass es dort weder Lehrer noch Schüler gebe. In einem anderen Fall konnte nach jahrelangen Vermutungen endlich ein korrupter Beamter überführt werden. Er wurde fristlos entlassen. (Leonie March) / (bsc)

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