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AirBnb will mit Hotels und Reisefirmen gleichziehen

AirBnb bricht mit den Wurzeln: Im Kampf um betuchte Kunden verabschiedet sich die Unterkunfts-Plattform nach zehn Jahren von ihrem Luftmatratzen-Image. Verifizierte AirBnb-Wohnungen erreichen in Zukunft Hotel-Standards und mehr.

AirBnb will mit Hotels und Reisefirmen gleichziehen

(Bild: AirBnb)

Eine Milliarde Übernachtungen pro Jahr. Dieses Ziel hat sich AirBnb-Mitgründer und -Chef Brian Chesky für das Jahr 2028 vorgenommen. Die vor zehn Jahren aus blanker Not geborene Vermittlungsplattform für Schlafgelegenheiten, die einst mit Luftmatratzen anfing, will nicht weniger werden als einer der größten Übernachtungs- und Eventkonzerne der Welt. Dafür werden sogar die Wurzeln des Unternehmens gekappt.

Die Kampfansage an die Hotellerie heißt "AirBnb Plus" und verspricht erlesene Standards, die beste Hotels bieten, aber zum günstigeren Preis. Der am Donnerstag vorgestellte Dienst geht mit einem Schlag die größten Probleme an, die heute noch viele Menschen daran hindern, sich in einer AirBnb-Privatwohnung einzunisten, statt im Hotel. Es sind die Unberechenbarkeit, was man am Zielort vorfinden wird sowie Unzuverlässigkeiten und mögliche Diskriminierungen bei der Buchung.

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen größere Probleme haben, als Gäste angenommen zu werden, als andere. Und die AirBnb-Wohnung kann wie eine Wundertüte sein. Von fehlenden Handtüchern, dreckigen Teppichen bis zu kaputten Heizungen ist alles möglich. Wütende Kunden haben sich auch schon beschwert, dass kurzfristig ihre Wohnung einfach storniert und so der Urlaub ruiniert wurde.

Das soll bald der Vergangenheit angehören. Ausgewählte Gastgeber können für eine einmalige Gebühr von 149 Dollar ihre Unterkünfte jetzt für "Airbnb Plus" registrieren lassen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens kommt vorbei, schießt Fotos und arbeitet eine 100 Punkte lange Checkliste ab, vom Shampoo im Badezimmer bis zum selbstständig möglichen Check-In. Ein Vermieter muss besonders zuverlässig und professionell sein, um akzeptiert zu werden.

Ein Bedingung ist eine 95-prozentige Annahmerate von Bewerbungen. Das soll sicherstellen, dass Gäste nicht nach persönlichen Vorlieben (oder Vorurteilen) ausgesiebt werden. Außerdem muss die Kündigungsrate nach Vertragsschluss bei absolut Null liegen und die Gäste müssen im Schnitt mindestens eine Bewertung von 4,8 von 5 möglichen Sternen hinterlassen haben.

Wer eine solche Bewertung hat, der lässt niemanden vor der verschlossenen Tür stehen. Ausreden lässt Amber Cartwright, verantwortlich für das Programm, nicht gelten: "Perfekte Gastgeber finden immer einen Weg, um eine Wohnung zu übergeben." Dafür winken den zunächst 2000 Gastgebern in 13 Städten, darunter Shanghai und Los Angeles, deutlich höhere Preise. Im Schnitt können sie bis zu 200 Dollar pro Nacht verlangen, der Durchschnitt liegt heute bei rund 100 Dollar.

Die Veranstaltung zum zehnten Jahrestag von AirBnb stand ganz im Zeichen der neuen Luxusoffensive, mit der das Start-up aus San Francisco endgültig zum virtuellen Hotelanbieter mit garantierten Standards werden will. Denn der Weg zur magischen Milliarde ist weit und nicht ohne eine Ausweitung der Nutzerbasis möglich. "AirBnb Plus" ist zum Beispiel ein Versuch, Geschäftsreisende mit hohen Ansprüchen anzusprechen.

In den vergangenen zehn Jahren haben zusammengenommen 300 Millionen Gäste eine Übernachtung über die Plattform gebucht, sagte Chesky in San Francisco. Angefangen hatte es mit drei klammen Studenten, die ihre Miete nicht zahlen konnten. Sie legten in ihrem Wohnzimmer Luftmatratzen aus und boten Gästen billige Schlafgelegenheit an. Es funktionierte zur allgemeinen Überraschung. Überdimensionale Porträts der ersten drei Gäste hängen heute noch in der Firmenzentrale an der Brannan Street.

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