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Airbnb soll Unterbringung bei olympischen Spielen übernehmen

Das IOC kündigt eine Partnerschaft mit dem Übernachtungsvermittler Airbnb an. Das Ziel: Mehr Unterkünfte bei den Spielen und Selbstvermarktung von Athleten.

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(Bild: mirtmirt/Shutterstock.com)

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Das Internationale Olympische Kommittee (IOC) hat eine Partnerschaft mit der Onlineplattform Airbnb angekündigt. Wie das IOC mitteilt, wolle man mit dem Übernachtungsvermittler für die nächsten fünf Olympischen Spiele bis 2028 kooperieren, um für Unterkünfte in den Gastgeberstädten der Spiele zu sorgen und Athletinnen und Athleten zusätzliche Möglichkeiten zur Selbstvermarktung zu eröffnen.

Das IOC erhofft sich von der Kooperation einen "Gewinn für Gastgeberstädte, einen Gewinn für Zuschauer und Fans, und einen Gewinn für die Athleten." Vor allem die Bemühungen um nachhaltigeres Reisen stünden dabei im Fokus. Im Laufe der Zusammenarbeit will das IOC für Sportler, die an den Spielen teilnehmen, Airbnb-Unterkünfte im Wert von rund 28 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellen.

Als Effekte verspricht man sich geringere Kosten für die Unterbringung rund um die Olympischen Spiele sowie weniger nötige Hotelneubauten am jeweiligen Austragungsort – deren Zukunft nach dem großen Andrang während der Spiele sonst möglicherweise ungewiss wäre.

Lokale Vermieter könnten direkt an den Einnahmen teilhaben, die die Spiele vor Ort generieren, indem sie Unterkünfte über die Plattform zur Verfügung stellen. Airbnb und das IOC erwarten dadurch im Laufe der Jahre "mehrere Hunderttausend" neue Vermieter.

Der Einfluss von Airbnb auf die Wohnungsmärkte in vielen Städten gilt jedoch vielen Lokalpolitikern als schädlich, da durch die Plattform Wohnraum für Einheimische leicht als Ferienwohnung zweckentfremdet werden könne und die Mietpreise deshalb weiter in die Höhe schnellten. Berlin hat beispielsweise Bußgelder eingeführt, wenn Vermieter ihre Airbnb-Wohnungen nicht ordnungsgemäß anmelden und entsprechende Gebühren und Steuern abführen.

Auch Paris, wo 2024 die nächsten Olympischen Sommerspiele ausgetragen werden, ist Anfang 2019 gegen die Plattform vor Gericht gezogen und fordert eine Strafe von über 12 Millionen Euro wegen nicht angemeldeter Airbnb-Wohnungen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat die Kooperation zwischen IOC und Airbnb bereits kritisiert.

Einen weiteren Vorteil soll der Deal zwischen Airbnb und IOC aber auch für die olympischen Athletinnen und Athleten haben: Sie sollen zusätzliche Einnahmen über die Plattform generieren können, in dem sie sogenannte "Olympian Experiences" zum Kauf anbieten. Laut der gemeinsamen Pressemitteilung könne dies beispielsweise ein gemeinsames Training mit Fans oder eine Stadttour sein – auch außerhalb der eigentlichen Olympischen Spiele.

Airbnb versucht seit einiger Zeit verstärkt, auch soziale Aktivitäten als "Experiences" über seine Seite zu vermitteln. Hintergrund des Plans, auch Olympioniken in die Kooperation einzubinden und sie zur Selbstvermarktung auf der Plattform anzuhalten, dürfte dabei auch anhaltender Protest der Sportler sein, die bereits seit langem fordern, an den Millioneneinnahmen des Olympischen Kommittees rund um die Spiele besser beteiligt zu werden.

Airbnb hatte bereits die letzten Winterspiele in Pyeongchang 2018 sowie die Sommerspiele in Rio 2016 als lokaler Sponsor unterstützt und beruft sich dabei auf eine Studie des Weltwirtschaftsforums, wonach allein in Rio Airbnb-Wohnungen bis zu 257 Hotels ersetzt hätten.

Inwieweit sich die Ökobilanz der Spiele, die je nach Jahr und Austragungsort teilweise Zuschauerzahlen im Millionenbereich anziehen, durch die Kooperation mit Airbnb tatsächlich verbessern wird, bleibt abzuwarten. Eine Studie vom Sommer 2019 attestierte vielen Sharingplattformen jedenfalls, weniger nachhaltig zu sein als gedacht. Gerade Airbnb erzeuge durch seine günstigen Preise für manche Menschen erst den Anreiz, überhaupt mehr zu verreisen. (siko)