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Aktienhandels-Software verzockt 440 Millionen Dollar in 45 Minuten

45 Minuten ließ Knight Capital am Mittwochvormittag (Ortszeit) eine neue Computersoftware mit Aktien zocken. Danach war die Aktienhandels-Firma um 440 Millionen US-Dollar (359 Millionen Euro) ärmer. Das Geld gehört jetzt anderen Leuten, Knight Capital kämpft ums Überleben. 440 Millionen Dollar sind deutlich mehr, als der im jüngsten Quartal erzielte Umsatz von 289 Millionen Dollar. Der Vorfall wird in den USA in Anspielung an eine Horrorfilm-Reihe als "Knightmare on Wall Street" (Nightmare = Alptraum, Anm.) bezeichnet.

Das 17 Jahre alte Unternehmen ist einer der größten Aktien-Händler der USA. Nach Angaben der New York Times gingen von Januar bis Mai 11 Prozent aller Trades von US-Aktien durch die (virtuellen) Hände von Knight Capital. Zu den Kunden zählen Anbieter wie ETrade und TD Ameritrade, die Aufträge von den eigentlichen Anlegern entgegen nehmen.

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Diese Endkunden sind am Mittwoch angeblich nicht direkt geschädigt worden. Wohl aber die Aktionäre der Firma, denn der Kurs verlor nach Bekanntwerden des Fiaskos in zwei Tagen über 75 Prozent ihres Wertes.

Bei dem umstrittenen hochfrequenten Handel (High Frequency Trading) werden Wertpapiere in extrem schneller Folge ge- und wieder verkauft. Das Tempo kann nur von automatischen Systemen gehalten werden. Ein solches neues, fehlerhaftes System ist laut Knight Capital an dem Debakel schuld. Der neue Algorithmus soll tausende Aufträge in die Handelssysteme der New Yorker Börse NYSE eingespeist haben, die weit vom ansonsten herrschenden Marktpreis abwichen. Etwa 150 Papiere sollen betroffen gewesen sei. Bei den 6 meistbetroffenen Wertpapieren hat die NYSE später all jene Aufträge rückabgewickelt, die zu einem mehr als 30 Prozent vom Eröffnungspreis abweichenden Kurs durchgeführt wurden.

Knight Capital betont, die Eigenkapitalvorschriften noch erfüllen zu können. Laut Wall Street Journal teilte das Unternehmen den Handelspartnern mit, dass zumindest der Freitag dank neuer Kredite gesichert sei. Doch sucht man nun dringend neue Geldgeber und ist zum Übernahmekandidaten geworden. Potenzielle Käufer fürchten aber Strafen der Börsenaufsicht SEC sowie Klagen geschädigter Aktionäre. Nachdem TD Ameritrade und Scottrade ankündigten, wieder Order über Knight Capital zu platzieren, legten die Aktien der Firma am Freitag um stolze 57 Prozent zu. Der Schlusskurs lag aber immer noch mehr als 60 Prozent unter dem Wert vom Dienstag.

Das Unternehmen hatte im Zuge des Facebook-Börsengangs bereits einen Schaden von mehr als 35 Millionen Dollar erlitten. Damals war die Börse NASDAQ überfordert gewesen und konnte die eingereichten Order nicht korrekt abarbeiten. (Daniel AJ Sokolov) / (rop)

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