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Aktienmärkte befürchten Preiskampf zwischen AMD und Intel

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Gute Nachrichten für PC-Käufer, spannende Zeiten für AMD und Intel sowie die Aktionäre der beiden Kontrahenten: Nach Ansicht von Analysten steht eine Preisschlacht im x86-Prozessormarkt bevor.

Schon jetzt bietet Intel einige Spezialversionen von Prozessoren aus dem Pentium-4- und Pentium-D-Sortiment sehr günstig an: Pentium 4 506 (2,66 GHz, 1 MByte L2-Cache, FSB533) und Pentium 4 511 (2,8 GHz, 1 MByte L2-Cache FSB533) sind im Einzelhandel inklusive Original-(Lärm-)Kühler schon für weniger als 100 Euro zu haben und damit teilweise billiger als die schnellsten Modelle der "offiziellen" Einsteiger-Prozessorfamilie Celeron D; auch Pentium 4 524 (3,06 GHz, 1 MByte L2-Cache FSB533) und sogar der Doppelkern-Pentium D 805 (2,66 GHz, 2x1 MByte L2-Cache FSB533) kosten weniger als 120 Euro.

Bezeichnenderweise tauchen diese Sparmodelle in der offiziellen Intel-Preisliste nicht auf, und einige fehlen auch im "Processorfinder", dafür stecken sie aber in einigen besonders günstigen Rechnern, die etwa große deutsche Elektro-Discounter zurzeit offerieren. Es handelt sich also offenbar um Prozessoren, die Intel alleine zu dem Zweck produziert, damit PC-Hersteller besonders billige Rechner mit Intel-CPUs anbieten können. Um den "echten" aktuellen Pentium-4/D-Typen nicht zu nahe zu kommen, fehlen den Sparprozessoren einige Funktionen, etwa Hyper-Threading und FSB800 – damit taugen sie etwa auch nicht für Viiv-Systeme.

Doch auch einige der neuesten 65-Nanometer-Doppelkerne der Pentium-D-900-Familie sind billiger zu haben als die günstigsten AMD-Doppelkerne Athlon 64 X2. Offenbar versucht Intel, verlorenen Boden bei den Marktanteilen durch Kampfpreise gutzumachen. Ein Analyst hat bereits vor Wochen gesagt, Intel "stopfe den Vertriebskanal" mit Prozessoren voll. Anscheinend will Intel auch die Lager räumen, um die kommende Core-2-Prozessorgeneration schnell in den Markt zu bringen – doch auch diese kommenden Spitzenmodelle dürften bereits für weniger als 200 Euro zu haben sein.

Es wird erwartet, dass Intel die Preise kurz vor Einführung der neuen Prozessoren Ende Juli nochmals deutlich senkt, übrigens dann oder etwas später auch die Mobilprozessor-Preise. Außerdem will Intel noch im zweiten Halbjahr 2006 ein weiteres Halbleiter-Werk in Betrieb nehmen, das 300-Millimeter-Siliziumwafer zu 65-Nanometer-Prozessoren verarbeitet. Damit bietet sich die Möglichkeit, noch mehr preiswerte Chips zu fertigen. AMD will frühestens Ende dieses Jahres 65-Nanometer-Prozessoren ausliefern.

Intel leugnet diese Bestrebungen nicht. Das US-Magazin eWeek zitiert Intel-Sprecher Chuck Mulloy, der die bevorstehenden Preissenkungen im Grundsatz bestätigt. Gestern hat der Citigroup-Analyst Gwen Yeung deshalb AMD-Aktien heruntergestuft, die AMD-Aktie sackte daraufhin an der New Yorker Börse um fast 3,5 Prozent ab, Intels Papiere verloren 1,6 Prozent (heute Morgen ging es bei mit beiden Aktien in Frankfurt aber schon wieder leicht bergauf).

AMD hat gestern aber überraschend die Preise einiger Prozessoren drastisch um bis zu 51 Prozent gesenkt, allerdings nur jene der Einzelkern-Typen Athlon 64 3800+, 3500+, 3200+ und 3000+. Die beiden letztgenannten Modelle tauchen übrigens auch bei AMD in der offiziellen Preisliste nicht mehr auf, wurden für den AM2-Sockel gar nicht erst vorgestellt und fehlen als AM2-Modelle auch im "Desktop Processor Quick Reference Guide" – im Einzelhandel sind sie aber trotzdem zu haben, die ersten Händler haben die Preise schon korrigiert.

Nach inoffiziellen Informationen plant Intel, das Preisgefüge der Desktop-PC-Prozessoren mit Einführung der Core 2 Duo zu verändern. Die zahlreichen Pentium-4-Modelle nehmen dann quasi die Position ein, die heute die Celerons haben, und die Celerons sollen demnach noch deutlich weniger kosten – schon jetzt sind die billigsten Versionen inklusive Kühler für weniger als 50 Euro zu haben.

Auf das laufende Quartal hat der erwartete Preiskampf bereits Auswirkungen, Hersteller und Käufer verhalten sich abwartend. Speziell in Deutschland soll sich nach Zahlen von IDC auch die WM auf die PC-Käufe ausgewirkt haben – die Leute hätten demnach ihr Geld lieber für neue Flachbild-Fernseher ausgegeben. (ciw)