Aktion gegen Raubkopierer: Fast 800 Durchsuchungen

Auf der Suche nach illegal vertriebenen Filmen und Software wurden diese Woche 800 Wohnungen, Firmenräume und Rechenzentren im Raum München, Frankfurt/Main, Bremen, Köln und im Ruhrgebiet durchsucht.

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Von
  • Andreas Wilkens

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat Details zu den am Dienstag bekannt gewordenen Aktionen gegen Raubkopierer veröffentlicht. Demnach habe vom 16. bis zum 18. März die bislang weltweit umfangreichste Durchsuchungsaktion wegen Urheberrechtsverletzungen im Bereich Film- und Entertainment-Software stattgefunden. Es seien fast 800 Wohnungen, Firmenräume und Rechenzentren im Raum München, Frankfurt/Main, Bremen, Köln und im Ruhrgebiet durchsucht, mehrere Personen seien verhaftet worden. Damit sei gleichzeitig der weltweit größte Schlag gegen die organisierte Herstellung von Raubkopien und die illegale Verbreitung über Internet-Server gelungen. Der Schaden für die Entertainment-Wirtschaft wird auf einen hohen zweistelligen Millionen Euro-Betrag geschätzt.

Parallel führten kriminalpolizeiliche Ermittlungen in Köln/Hürth zur Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen eine große Gruppe von Crackern, die in Rechenzentren insbesondere von Firmen und Institutionen eingedrungen sei, um dort Speicherplatz auf Servern zur Verbreitung dieser Kinofilme und Software zu nutzen.

Mehr als zweijährige Ermittlungen der GVU hätten detaillierte Erkenntnisse und Beweismittel über die "Piraterie-Szene" erbracht. Durch Strafanträge der GVU und Kooperationen mit den Strafverfolgungsbehörden sei es erstmals gelungen, so genannte Release-Groups zu ermitteln. Sie seien für die illegale Herstellung und Erstveröffentlichung deutscher Fassungen von Kinofilmen wie "Herr der Ringe" oder "Im Dutzend billiger" und aktueller Spielesoftware verantwortlich. Zudem sei die gesamte Erstverbreitungsstruktur über schnelle Internet-Server enttarnt worden.

Es seien 19 Internetserver sichergestellt worden, die Film- und Software-Raubkopien im Umfang von insgesamt 38 Terabyte zur Verbreitung vorrätig hielten. Außerdem seien über 40.000 Datenträger und mehr als 200 Computeranlagen beschlagnahmt worden. Die Tätergruppen seien für die Herstellung und Erstveröffentlichung von über 500 Kinofilmen im Zeitraum 2001 bis 2004 verantwortlich.

Außerdem sei eine Gruppe von Wirtschaftskriminellen im Ruhrgebiet zerschlagen worden, die Händler mit aktuellen Kinofilmen und neuester Software auf DVDs und Video-CDs beliefert habe. Diese Täter hätten das Ausgangsmaterial zu einem frühen Zeitpunkt durch direkte Anbindung an die Release-Groups erhalten und konnten so den Zeitvorsprung für das Massenkopieren und den -verkauf nutzen. Die Wartung der technischen Anlagen, die Coverproduktion und die Herstellung der CDs sei von Spezialisten erledigt worden. Der 42-jährige Kopf der Bande soll einen eigenen Sicherheitsdienst aufgebaut haben, um den Personen- und Autoverkehr um die Produktionsstätte überwachen zu können und so vor Strafverfolgungsmaßnahmen zu schützen. Die Gruppe habe eine Kopierstraße mit 24 Highspeed-Brennern unterhalten. (anw)