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Aktionäre: Mickey Mouse hätte Lucent besser geführt

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Die Geschäftsführung des größten amerikanischen Telecom-Ausrüsters Lucent Technologies hat Fehler im Management zugegeben. Auf der Jahreshauptversammlung entschuldigte sich Interims-Vorstandssprecher Henry B. Schacht bei den Aktionären für den schlechten Geschäftsverlauf und versprach eine grundlegende Neustrukturierung des Konzerns. Lucent hatte im letzten Quartal einen Verlust von mehr als einer Millarde US-Dollar eingefahren.

Größter Fehler ist nach Schachts Meinung die Aufsplittung Lucents in elf kleinere Geschäftsbereiche gewesen. Dadurch sei es zu unnötigen Überlappungen und vermeidbaren Mehrausgaben gekommen. Auch sei das Unternehmen zu schnell gewachsen. Zudem habe man den falschen Zeitpunkt für die Markteinführung der noch unausgereiften optischen Netztechnik gewählt.

Schacht versprach den Aktionären, das Unternehmen durch einen radikalen Sparkurs wieder in die Gewinnzone zu bringen. Dafür sollen 10.000 Mitarbeiter entlassen werden; insgesamt gehen wohl 16.000 Arbeitsplätze verloren. Die Ausgaben sollen pro Jahr um zwei Milliarden US-Dollar gekürzt werden. Um die Liquidität zu gewährleisten, verhandle man derzeit mit Banken über eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar. Zu Berichten, dass Lucent seine profitable Glasfasersparte verkaufen wolle, nahm Schacht allerdings keine Stellung.

Die frustrierten Aktionäre nahmen laut Wall Street Journal auf der Hauptversammlung kein Blatt vor den Mund: Wer letztendlich die Rechnung für das offensichtliche Missmanagement bei Lucent zahlen müsse, seien wieder einmal die Aktionäre – "selbst Mickey Mouse und Goofy hätten dieses Unternehmen besser geführt." (pmz)