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Aktuelle Kinofilme auf dem Fernseher: Kinobetreiber kritisieren "Screening Room", Regisseure investieren

Mit Screening Room will der Napster-Gründer Sean Parker Filme gleichzeitig zum Kinostart auf heimische Fernseher bringen. Die Kinobetreiber sind davon nicht begeistert, einige namhafte Regisseure dagegen offenbar schon.

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(Bild: UCI Kinowelt)

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Wenige Tage nachdem Sean Parkers Pläne für eine Streaming-Plattform mit aktuellen Kinofilmen bekannt geworden sind, formiert sich der Protest der Branche. Scharfe Kritik übte mit Art House Convergence nicht nur eine Vereinigung von Programmkinos, Gegenwind kam auch von der National Association of Theatre Owners. Andererseits sind aber auch prominente Unterstützer der Idee des Napster-Gründers bekannt geworden, die ihrerseits auch aus der Filmindustrie kommen. So berichtete das Branchenmagazin Variety, dass mit Steven Spielberg, Peter Jackson, J.J. Abrams, Brian Gazer und Ron Howard mehrere bekannte Regisseure hinter Screening Room stehen. Nicht alle hätten aber tatsächlich auch Geld investiert.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Sean Parker mit einem Filmdienst namens Screening Room die Kinobranche aufmischen will. Darüber sollen aktuelle Filme parallel zum Kinostart zuhause auf den Fernseher gestreamt werden. Benötigt würde dafür eine 150 US-Dollar teure Settop-Box, über die die Filme für 50 US-Dollar pro Titel jeweils 48 Stunden lang abgerufen werden können. Den Kinobetreibern soll die möglicherweise ausbleibende Kundschaft mit einer Beteiligung schmackhaft gemacht werden: Sie sollen 20 US-Dollar pro Film bekommen. Außerdem sollen die Mieter pro Film zwei lokale Kinokarten erhalten, um sie vielleicht doch noch ins Kino zu locken.

Die Programmkino-Betreiber weisen nun in einem offenen Brief auf die naheliegende Gefahr der Filmpiraterie hin: Immerhin seien Kinos zu Premieren schon so besorgt, dass sie mit Nachtsichtgeräten nach Kameras suchen lassen. Was spräche denn dagegen, dass sich künftig Nutzer einfach vor ihren Fernseher setzen, die Filme mit einer HD-Kamera aufzeichnen und dann in hoher Qualität ins Netz stellen, fragen sie. Dadurch würde die Zahl widerrechtlich verfügbarer Inhalte stark zunehmen, während weniger Menschen ins Kino gingen. Die National Association of Theatre Owners stellt solche zwar Fragen nicht, klingt aber auch nicht überzeugt: Sie behält es den Kinobetreibern vor, wie mit Screening Room umgegangen werden soll und würde lieber Innovationen aus der Branche heraus sehen.

Trotz namhafter Unterstützer aus Hollywood könnte es Sean Parker angesichts der Gegner also schwer fallen, genügend Unterstützung für seine Pläne zu finden. Und selbst wenn ihm das gelingt, muss sich erst noch zeigen, ob Filmfans tatsächlich bereit sind, 50 US-Dollar für einen Streifen zu zahlen, den sie im Kino deutlich günstiger ansehen können. (mho)