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"Akustik"-Angriff auf Diplomaten könnte Hochfrequenz-Waffe gewesen sein

Gepulste Hochfrequenzstrahlung könnte Diplomaten Kanadas und der USA in China und Kuba verletzt haben und auch für die gehörten "Geräusche" verantwortlich sein.

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Marineinfanteristen hissen die US-Fahne vor der US-Botschaft in Havanna

Wiedereröffnung der US-Botschaft in Havanna im August 2015 mit dem damaligen US-Außenminister John Kerry

(Bild: State Department (gemeinfrei))

Nicht akustische Waffen sondern gepulste Hochfrequenzstrahlung könnte für die Gehirnverletzungen von in China und Kuba stationierten Nordamerikanern verantwortlich sein. Diese Theorie hat unter Wissenschaftlern einige Anhänger gefunden, berichtet die New York Times (NYT). Opfer der Attacken waren Dutzende Mitarbeiter der diplomatischen Vertretungen Kanadas und der USA und deren Familienmitglieder. Die Angriffe haben, soweit bekannt, kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November 2016 begonnen und zumindest bis August 2017 stattgefunden.

Die Opfer berichteten von Lärm aus unbekannter Quelle, der bisweilen so laut war, dass sie handlungsunfähig wurden. Dazu kamen langfristige Folgen wie Übelkeit, enorme Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafschwierigkeiten und Gehörverlust. Das sind klassische Symptome einer Gehirnerschütterung, doch hatten die Betroffenen keine Erschütterung erlitten.

Zunächst hatten die Behörden angenommen, jemand würde die Diplomaten mit akustischen Waffen attackieren. Diese sollen jedoch keine Hirn-Traumata auslösen. Zudem gaben manche der Geschädigten an, sich die Ohren zugehalten zu haben, ohne eine Reduktion der wahrgenommenen Lautstärke zu erwirken. Auch das stützt die These der gepulsten Hochfrequenzstrahlung.

Das solche Strahlung zu "Hör-Halluzinationen" führen kann, ist seit dem Zweiten Weltkrieg bekannt. Der US-Biologe Allan H. Frey publizierte ab 1961 mehrere Artikel dazu, weshalb das Phänomen als Frey-Effekt bekannt ist.

Zeichnung des Innenohrs mit Schnecke (Cochlea)

(Bild: Henry Vandyke Carter (gemeinfrei))

Zur genauen Wirkungsweise der "hörbaren" gepulsten Hochfrequenzstrahlung gibt es unterschiedliche Theorien. Die herrschende Ansicht vermutet, dass die Strahlung unterschiedliche Gewebe in der Schnecke unterschiedlich erwärmt, was zu unterschiedlichen Gewebeausdehnungen führt. Das wiederum löse Wellen aus, die entweder über Knochenleitung oder andere Verbindungsgänge (insbesondere Perilymphgang und vestibulärer Aquädukt) ins Innenohr gelangen und dort wie echter Schall verarbeitet werden.

Im Kalten Krieg suchten beide Seiten, Kommunikationsmethoden sowie Waffen auf Grundlage des Frey-Effekts zu entwickeln. Nun haben US-Ermittler den inzwischen 83-jährigen Frey um seine Einschätzung der aktuellen Vorfälle gebeten; der Wissenschaftler hält es für möglich, dass gepulste Hochfrequenzstrahlung der Auslöser ist. Er glaubt aber nicht, dass die Frage bald geklärt werden wird: "Basierend auf meinem Wissensstand wird es ein Rätsel bleiben", sagte Frey gegenüber der NYT. (ds)

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