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Aldi-Notebook mit Optimus-Grafik im Test

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Medions 15,6-Zoll-Notebook Akoya P6622

Vor nicht einmal zwei Wochen hat Nvidia seine nutzerfreundliche Hybridgrafik Optimus der Öffentlichkeit vorgestellt, und schon ab heute ist das erste Notebook erhältlich: Aldi verkauft Medions 15,6-Zöller Akoya P6622 (MD98250) für 599 Euro mit ordentlicher Ausstattung: Als Prozessor kommt Intels flotter Doppelkernprozessor Core i3-350M (2,26 GHz) zum Einsatz, dem 4 GByte Arbeitsspeicher und eine 500-GByte-Platte zur Seite stehen. Auch die Schnittstellen-Bestückung kann sich mit eSATA und HDMI sehen lassen; FireWire oder ein ExpressCard-Schacht fehlen allerdings.

Um die Grafikausgabe kümmern sich entweder der im Prozessor integrierte Grafikkern Intel HD oder Nvidias Grafikchip GeForce 310M. Anders als bei bisherigen Notebooks mit Hybridgrafik muss man dank Optimus die Grafik nicht mehr manuell umschalten: Startet man eine Anwendung, entscheidet Optimus anhand einer Reihe von im Treiber hinterlegten Profilen, ob die Intel-Grafik ausreicht oder der Nvidia-Chip aus dem Schlaf geweckt wird. Letzteres geschieht nicht nur bei 3D-Spielen, sondern auch bei Programmen, die via CUDA oder DirectCompute Berechnungen an den Nvidia-Chip auslagern können (GPGPU).

Das Umschalten geschieht ohne Flackern oder den Zwang, andere vorher geöffnete Anwendungen schließen zu müssen – sehr nutzerfreundlich. Ältere Versionen der 3DMarks hatten im Test Probleme bei der Hardwareerkennung und sind abgestürzt; mit den kürzlich von Hersteller Futuremark veröffentlichten Updates traten die Probleme dagegen nicht mehr auf. Alle anderen getesteten Programme und Spiele (unter anderem Sims 3, World In Conflict und RaceDriver Grid) arbeiteten reibungslos mit Optimus zusammen.

Für Anwendungen und Spiele, die nach Veröffentlichung eines Optimus-Notebooks erscheinen, will Nvidia per Online-Update Optimus-Profile nachliefern. Grundsätzlich ist dies sehr lobenswert, weil kaum ein Notebook-Hersteller aktualisierte Grafiktreiber anbietet, doch ob die Download-Funktion bereits im Treiber des Medion-Notebook implementiert wurde, konnte uns Nvidia nicht sagen. Von einigen angekündigten Asus-Notebooks mit Optimus ist beispielsweise bekannt, dass erst ein Treiber-Update die Online-Aktualisierung der Profile nachrüstet. Generell ist eine Konfiguration des Online-Updates (etwa Zeitpunkt oder Proxy-Einstellungen) über die Nvidia-Systemsteuerung ebensowenig vorgesehen wie ein Knopf zum manuellen Auslösen – hier sollte Nvidia dringend nachbessern.

Im Nvidia-Treiber kann man Optimus-Profile anlegen und editieren.

Wie bei SLI kann man im Menü des Optimus-Treiber selbst Profile erstellen. Zum Ausprobieren kann man den Treiber zudem eine Option im Windows-Kontextmenü einblenden lassen, sodass man per Rechtsklick auf eine Programmverknüpfung dann wählen kann, auf welcher Grafikkarte die Anwendung dieses eine Mal laufen soll.

Da der GeForce 310M zu den langsamsten derzeit erhältlichen Grafikchips zählt, reicht Medions P6622 trotz Optimus nicht aus, um detailreiche Grafikkracher wie Crysis oder Call of Duty: Modern Warfare 2 ruckelfrei darzustellen. Einzig bei Spielen mit anspruchsloseren 3D-Welten wie Sims 3 oder World of Warcraft kann man im Vergleich zu integrierten Grafikeinheit manches Grafikdetail hinzuschalten; andere dürften nur auf der ihrer niedrigsten Detailstufe spielbar sein.

Das Display zeigt 1366 × 768 Punkte, hat eine matte Oberfläche und eignet sich mit einer maximalen Helligkeit von 180 cd/m2 für den Betrieb im Freien. Schon bei leichten Abweichungen von einer senkrechten Blickrichtung wird das Bild aber sichtbar dunkler; dunkle Farbtöne erscheinen invertiert. Leider ist man beim Arbeiten nicht völlig von Spiegelungen befreit, denn sowohl der schwarze Bildschirmrahmen als auch die dunkelgrau bedruckte Tastatureinfassung samt Handballenablage glänzen – schade.

Das Multitouchpad hat eine angeraute Oberfläche, mit der man die Sensorfläche haptisch von der Handballenablage, in die sie ohne Stufe eingebettet wurde, unterscheiden kann. Die Tastatur punktet mit durchgängig normalbreiten Tasten, ordentlichem Anschlag und Ziffernblock; Steuertasten wie Bild-Auf / -Ab, Pos1 und Ende sind aber nur als Alternativbelegung zum Ziffernblock vorgesehen.

Die Lautsprecher klingen dumpf; Höhen fehlen. Wer etwas mehr Wumms möchte, kann in den Wechselschacht statt des DVD-Brenners einen Subwoofer einsetzen. Dieser gehört aber nicht zum Lieferumfang, sondern muss optional für rund 40 Euro erworben werden; alternativ soll es auch eine zweite Festplatte (500 GByte, 90 Euro) für den Wechselschacht geben. Das Zubehör ist nicht bei Aldi erhältlich, soll aber spätestens Mitte März in Medions Webshop zu kaufen sein. [Korrektur: In einer früheren Fassung dieser Meldung stand, dass es auch einen Zweitakku geben soll; einen solchen bietet Medion allerdings nicht an.]

Der Standardakku mit 77 Wh hält über fünfeinhalb Stunden durch, weil das Notebook bei geringer Systemlast (und dank Optimus abgeschaltetem 3D-Chip) nur 14 Watt verbraucht – für ein 15,6-Zoll-Gerät ausgesprochen wenig, denn in dieser Klasse sind um die 20 Watt durchaus üblich. Wegen des geringen Energieverbrauchs hört man den permanent drehenden Lüfter nur in ruhigen Umgebung, bei Rechenlast rauscht er dagegen mit störenden 1,3 Sone. Im Akkubetrieb stehen die volle Rechenleistung von Prozessor und Grafikchip bereit.

Medion liefert das Notebook mit einer 32-Bit-Version von Windows 7 Home Premium aus, doch mit den beiliegenden Recovery-DVDs kann wahlweise auch die 64-Bit-Variante installieren und damit die 4 GByte Arbeitsspeicher voll nutzen. Profis freut, dass die DVDs nur ein blankes, aber voraktiviertes Windows aufspielen, in dem sämtliche Software-Beigaben fehlen, doch auch sämtliche Treiber müssen einzeln nachinstalliert werden. Beim Recovern von der Festplatte wird dagegen der Auslieferungszustand mit Treibern und Software wiederhergestellt.

Medions knapp 600 Euro teures Akoya P6622 ist ein ordentlich ausgestattetes 15,6-Zoll-Notebook mit mattem Display und langer Laufzeit und setzt sich mit letzteren von anderen Notebooks dieser Preis- und Größenklasse ab. Nvidias Optimus-Hybridgrafik funktioniert so nutzerfreundlich wie versprochen, doch wegen des Low-End-Grafikchips GeForce 310M ist das Aldi-Notebook nicht für aktuelle 3D-Spiele geeignet. (mue)