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Aldi-TV X18068 zeigt fragwürdige Helligkeitsautomatik bei Leistungsmessung

Bei dem ab heute bei Aldi-Süd angebotenen 4K-Fernseher X18068 hat Hersteller Medion eine Backlight-Automatik eingebaut, die zu ungewöhnlichen Ergebnissen bei der Energiemessung führt. Ganz sauber ist das Vorgehen nicht.

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Aldi-TV X18068 zeigt fragwürdige Helligkeitsautomatik für Leistungsmessung

Geräte mit schlechter Energieeffizienzklasse entwickeln sich hierzulande schnell zu Ladenhütern. Das weiß wohl auch Medion: Der Hersteller hat seinem aktuellen 4K-TV eine fragwürdige Automatik verpasst, die das Leuchtverhalten des Bildschirms ausgerechnet bei den für die Leistungsmessung genutzten Bildern ideal anpasst.

Hintergrund: Für die Ermittlung des Energiebedarfs von Fernsehgeräten gibt es die internationale Norm IEC 62087, die sowohl die Messvorschriften als auch die zu nutzenden Bildinhalte vorschreibt. Weltweit wird diese Norm von Messlaboren für die Beurteilung und Einordnung der TVs in Energieeffizienzklassen genutzt.

Die Leistungsaufnahme an sich wird mit genormten Videosequenzen durchgeführt, die den weltweit üblichen TV-Inhalt widerspiegeln. So eine Sequenz läuft mindestens 10 Minuten, die Leistungsaufnahme wird über die Zeit gemittelt. Gemessen wird im Auslieferungszustand des Geräts, üblicherweise mit deaktiviertem Umgebungslichtsensor.

Da der Energiebedarf eines TVs wesentlich von der Helligkeit des eingebauten Displays abhängt, muss man während der Messung prüfen, wie hell der TV-Schirm leuchtet. Diese Messung erfolgt an einem ebenfalls genormten Testbild mit schwarzen und weißen vertikalen Streifen, wobei der Weißanteil 50 Prozent beträgt.

Das Problem: Der Backlight des Medion-Fernsehers wird im Werkszustand automatisch aufgedreht, sobald ein Bild mit mehr als 45 Prozent Weißanteil angezeigt wird. Es leuchtet dann schön hell mit über 300 cd/m2. Startet man eine Videosequenz, wird das Backlight automatisch reduziert – die Messungen im c’t-Labor haben ergeben, dass der Schirm dann nur noch 200 cd/m2 hell ist.

[Update] Die EU-Richtlinie 2010/30/EU besagt, dass der Schirm während der Energiemessung mindestens 60 % der maximalen Leuchtdichte des TVs erreichen muss. Da die Spitzenhelligkeit des Medion-Displays im Spiel-Preset bei 367 cd/m2 liegt, bleibt der Fernseher während der Energiemessung unter dem geforderten Spitzenluminanzverhältnis (200 von 367 cd/m2 = 54,5%).

Außerdem stimmen die Angaben auf dem Energie-Effizienz-Label nicht mit den gemäß IEC 62087 ermittelten Werten im Auslieferungszustand überein. Eine automatische Einstellung für eine Leistungsaufnahme von 86 Watt (die Medion auf dem EEI-Label des TV nennt) gibt es in den Presets nicht; manuell müsste man die Schirmleuchtdichte dafür auf etwa 260 cd/m2 stellen. [/Update]

Die "Energiespar"-Maßnahme hat Medion weder dokumentiert noch ist sie im Sinne der Erfinder der Energiemess-Norm. Wenn wie beim Medion-TV automatisch unterschiedliche Helligkeiten beim Test-Standbild und beim Test-Video aktiviert werden, hat das zumindest ein Geschmäckle.

Auch bei Samsung hatten wir vor einiger Zeit eine Voreinstellung bemängelt, die zu einem ähnlichen Verhalten führte. Inzwischen hat Samsung die ursprünglich „Bewegungsgesteuerte Beleuchtung“ genannte Einstellung klarer dokumentiert und im Preset abschaltbar gemacht.

Energiemessung nach IEC (3 Bilder)

Das Samsung-TV regelt im Werkspreset (Standard-Modus) bei Videos die Helligkeit runter; dadurch sinkt auch die Leistungsaufnahme, im MIttel waren es 85 Watt.

Natürlich helfen Voreinstellungen mit reduziertem Backlight Energie zu sparen. Warum allerdings Bewegtbilder aka Videos weniger hell leuchten müssen als ein Standbild, hat sich uns bisher nicht erschlossen.

Beim Medion-TV X18068 vom Aldi können Nutzer den „Energietest-Modus“ deaktivieren, indem sie im Bildpreset „Natürlich“ die Energiespar-Voreinstellung auf „Auto“ mit dann 285 cd/m2 einstellen oder einen der anderen Modi mit definierter Schirmhelligkeit (Mittel, Minimal, Aus) wählen.

Einen ausführlichen Test des 4K-Fernsehers von Medion, der ab heute bei Aldi-Süd angeboten wird, finden Sie bei c’t. (uk)

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