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Alienware 13: kompaktes Gaming-Notebook mit externer GPU

Das 13-Zoll-Notebook Alienware 13 enthält eine Mittelklasse-GPU – und eine Schnittstelle für eine Zusatz-Box mit potenter Desktop-Grafikkarte. Ähnliche Versuche gab es bereits, sie sind häufig gescheitert.

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Dells kompaktes Gaming-Notebook Alienware 13

(Bild: Dell)

Die Dell-Tochter Alienware hat ein technisch interessantes Gaming-Notebook vorgestellt: Im 13-Zoll-Modell Alienware 13 steckt der Mittelklasse-Grafikchip GeForce GTX 860M. Optional gibt es eine "Grafikverstärker" getaufte Zusatz-Box, die an einer proprietären Buchse angeschlossen wird. In der Box sitzen ein zusätzliches Netzteil und eine normale Desktop-Grafikkarte, die über mehrere PCI-Express-Lanes am Notebook-Prozessor angeschlossen ist. Am Schreibtisch hat man also dank der Zusatz-Box eine 3D-Leistung wie am Desktop, unterwegs zockt man mit der schwächeren Grafikeinheit.

Unklar ist, ob im Box-Preis von 249 Euro eine Grafikkarte enthalten ist. Grundsätzlich sollen AMD- und Nvidia-Karten funktionieren, Informationen zu konkreten GPUs und zur Treiberunterstützung nennt Alienware nicht. Immerhin: Das Netzteil der Zusatz-Box liefert bis zu 375 Watt – das reicht selbst für manche Dual-GPU-Karten. [Update: In den USA listet Dell den Grafikverstärker für 300 US-Dollar ohne Grafikkarte und bietet gegen 290 bis 690 US-Dollar Aufpreis drei Nvidia-Karten von PNY (GTX 760 OC, GTX 970, GTX 980) als Bestückungsoption an.]

Ohne die Box kostet das Notebook mindestens 1049 Euro (plus 29 Euro Versand). Dafür bekommt man einen 1366er-Bildschirm, Intels Core i5-4210U und 8 GByte Arbeitsspeicher. Gegen Aufpreis gibt es Bildschirme mit Full-HD- oder 2560er-Auflösung sowie SSDs statt der 1-TByte-Platte.

Die Grafikverstärker genannte Zusatz-Box enthält ein Netzteil, das selbst stromhungrige Desktop-Grafikkarten versorgen kann.

(Bild: Dell)

In den USA soll das Alienware 13 ab sofort verkauft werden und der Grafikverstärker ab Mitte November. Hierzulande muss man sich noch länger gedulden: Der deutsche Webshop nennt als frühestmöglichen Liefertermin für das Notebook den 8. Dezember. Die Zusatz-Box kann man derzeit noch nicht vorbestellen; auch die deutsche Presseagentur konnte bislang keinen Termin für den Verkaufsstart nennen.

Die Idee einer externen Grafikkarte für Notebooks ist nicht neu, doch Erfolge konnten sich bislang nicht einstellen. So hatte Fujitsu Siemens anno 2009 das Amilo Sa 3650 mit externer Zusatz-GPU im Angebot; einen Nachfolger gab es aber nie. Gleiches gilt für das Sony Vaio Z21 aus dem Jahre 2011, bei dem außer der GPU auch das optische Laufwerk ins Dock ausgelagert wurden.

Darüber hinaus gab mehrere Versuche, Zusatz-Boxen zum universellen Nachrüsten auf den Markt zu bringen. Viele wurden nach Messeauftritten noch im Prototypen-Stadium eingestampft, etwa die XG Station von Asus oder Luxium von MSI – beide wurden erstmals anno 2007 gezeigt.

MSI hatte sich 2012 mit der GUS II nochmals an einer Neuauflage versucht, doch auch von dieser hat man seitdem nichts mehr gehört. Tatsächlich verfügbar sind nur das ViDock3/4 von Villagetronic und die ExpressBox 1 von Magma – letztere ist eigentlich für Industrieanwendungen beziehungsweise zugehörige Spezialadapter gedacht.

Beide leiden unter mehreren Grundproblemen. Das Gravierendste ist, dass es kaum noch Notebooks mit ExpressCard-Schächten gibt, aus dem man sich die benötigte PCI-Express-Leitung ziehen könnte. Selbst wenn man eines hat, ist es möglich, dass eine darüber angeschlossene Grafikkarte nicht erkannt wird. Schließlich ist nicht gesagt, dass die Referenztreiber der GPU-Hersteller funktionieren: Die Kombination aus Notebook-Mainboard plus Desktop-GPU, die über einen individuellen Link verbunden sind, dürfte schließlich durch kein Standard-Testszenario abgedeckt sein.

Größenvergleich: Alienwares Zusatz-Box ist ein ordentlicher Brocken.

(Bild: TheVerge )

Gaming-Notebooks sind grundsätzlich ein Kompromiss: Leistungsstarke Grafikchips, die detailreiche 3D-Welten auf den Bildschirm zaubern, schlucken viel Strom und brauchen voluminöse Kühlkörper. Sie sind also genau das Gegenteil von dem, was Notebooks für lange Laufzeiten, flache Gehäuse und geringes Gewicht benötigen.

Während die Entwickler dank der mittlerweile allgegenwärtigen Hybrid-Grafik – von Nvidia Optimus und von AMD Enduro getauft – zumindest den Stromverbrauch (und damit die Laufzeit) bei geringer Last in den Griff bekommen haben, lässt sich an der Leistungsaufnahme unter Last und dem Kühler wenig drehen. Die potentesten Grafikchips für Notebooks verbraten um die 100 Watt – mehr Abwärme lässt sich selbst aus klobigen Notebooks nicht sinnvoll abführen. Zum Vergleich: Die dicksten Desktop-Grafikkarten verbrauchen gut und gerne das Doppelte, bieten aber auch wesentlich mehr 3D-Leistung. (mue)