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Alle wollen sex.eu

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Auch bei der neuen Domain .eu, für die die erste Registrierungsphase am gestrigen Mittwoch begann, liegen die Begehrlichkeiten offenkundig nicht anders als bei anderen Domains fürs Internet: Es dauerte gerade mal 1,724 Sekunden, bis die erste Registrierung für sex.eu vorlag. Inzwischen haben sich 226 weitere Bewerber mit in die Reihe für die meist begehrte .eu-Adresse gestellt. Oder halt – einige Bewerber wollten dem Lotterieglück etwas nachhelfen und stellten sich mehrfach in die Reihe, wie das bereits einsehbare Whois-Datenbank der EU-Registrierstelle Eurid zeigt. Von den bis zum gestrigen Mittwochabend registrierten knapp 100.000 Domainanträgen werden 78.565 Adressen nur einmal gewünscht, so der Überblick von Eurid. Ingesamt wurden 645 geographische Namen und 7728 Namen öffentlicher Institutionen registriert, für 21.455 Domains werden internationale Markenrechte, für 70.090 nationale Markenrechte geltend gemacht.

Auf eine Markeneintragung in Malta beruft sich so etwa ein niederländischer Kunde, der sich über den ersten .eu-Eintrag freuen kann: tickets.eu war nach 1,699 Sekunden in der Eurid-Datenbank. Allerdings gibt der Kunde, selbst übrigens akkreditierter Registrar im Gegensatz zu dem als Registrar im entsprechenden Whois-Eintrag angegebenen Unternehmen, als Markeneintrag T&I&C&K&E&T&S an: Mal sehen, was die Markenrechtsexperten bei PriceWaterhouseCoupers dazu sagen, die die Registrierungsanträge in der Sunrise-Phase prüfen, in der nur .eu-Registrierungen von öffentlichen Einrichtungen – etwa Bundes- und Landesbehörden – und eingetragenen Markeninhabern akzeptiert werden: Generell darf nur der genaue Markenname als .eu-Domain registriert werden. Allerdings können Namenszusätze weggelassen werden. 40 Tage haben die Kunden nun Zeit, ihre Nachweisunterlagen – bitte fehlerlos beziffert – an PWC zu schicken.

Was die Technik angeht, sprechen deutsche Registrare ingesamt von einem glatten Start der Sunrise-Phase I. Nachdem noch am Vortag das Testsystem für drei Stunden ausgefallen war, war das fast nicht zu erwarten, meint beispielsweise Matthias Klaus, Geschäftsführer der kleinen Wuppertaler Internet-Dienstleisters TAL. Kleiner Wermutstropfen laut Klaus: Die von Eurid eingeführte technische Limitation auf maximal fünf Domainregistrierungen pro Sekunde hat sich dahingehend verkehrt, dass nur etwa alle fünf Sekunden eine Domain beantragt werden konnte. Vor allem während der Startphase, meinte ein Mitarbeiter eines Stuttgarter ISPEG-Registrars, gingen die Antwortzeiten bis auf 15 Sekunden hoch. Probleme gab es wohl vermehrt bei italienischen Registraren, unter anderem allerdings auch, weil man Central European Time mit Greenwich Mean Time verwechselt hatte. Ob auch die während der etwas übereilt abgelaufenen Testphase deutlich gewordenen Probleme mit den so genannten TOS-Bits (Type of Service) eine Rolle spielten, ist nicht ganz klar. Mit TOS-Bits versehene Pakete wurden von Eurid ausgefiltert, weil Eurid keine Priorisierung von Paketen zuließ. Doch eine Reihe von Registraren hat auf das Setzen der TOS-Bits selbst keinen Einfluss, es liegt in der Hand der Backbone-Provider.

Der eigentliche Härtetest steht noch bevor, betonen aber Vertreter deutscher Registrare. Man rechne vor allem in der Sunrise-Phase zwei mit einen Run auf interessante Adressen: Dann können Unternehmensnamen, Geschäftsbezeichnungen, charakteristische Titel geschützter literarischer und künstlerischer Werke, nicht eingetragene Marken, Handelsnamen und auch Familiennamen als .eu-Domains registriert werden. Beim Start der Landrush-Phase, bei der dann alle EU-Bürger .eu-Domains registrieren können, seien viele begehrte Adressen sicherlich schon vergeben. Allerdings rechnen viele Registrare damit, dass .eu bis zum April alle Vorregistrierrekorde brechen könnte.

Nicht eben bescheiden waren übrigens auch die offiziellen Vor-Vorregistrierer. Einzelne Mitgliedsländer haben sich vorab geografische Adressen gesichert. Eine lange Liste ist außerdem vor Sunrise I schon für die Europäischen Behörden eingetragen worden. Die deutsche und österreichische Regierung haben zudem jeweils Adressen mit nationalsozialistischem Hintergrund auf die so genannte Block-Liste setzen lassen. Darunter fallen auch Adressen wie germanien.eu oder FreiesDeutschland.eu. Interessanterweise ist die Liste, auf der die Blockwünsche länderweise geordnet waren, inzwischen von der deutschen Eurid-Seite verschwunden, über den Link der französischen Eurid-Ausgabe ist sie aber noch zu erhalten. Diese Aufstellung zeigt, dass vor allem Griechenland besonders viele Adressen auf die Blockliste setzen ließ. (Monika Ermert) / (jk)