MWC

Alles wird vernetzt: Der Mobile World Congress 2014 schließt

Der Mobile World Congress ist mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. Das Messejahr 2014 stand ganz im Zeichen der Vernetzung der Welt: Alle sollen ins Netz. Autos und Kühlschränke sind dann schon da.

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Von
  • Volker Briegleb

Am Donnerstag ist in Barcelona der Mobile World Congress (MWC) mit neuen Rekordzahlen zu Ende gegangen. Mehr als 85.000 Besucher aus 201 Ländern zählte die Fachmesse in diesem Jahr, wie der Veranstalter GSMA mitteilte. "Nach jedem Maßstab war der Mobile World Congress 2014 ein überwältigender Erfolg", dankte GSMA-Chef John Hoffmann den Besuchern und mehr als 1800 Ausstellern. Im vergangenen Jahr hatten 72.000 Menschen die Messe besucht, entsprechend größer war dann im diesen Jahr auch das Gedränge in den Hallen. Gerechnet hatten die Veranstalter mit rund 75.000 Besuchern.

WhatsApp-Mitgründer Jan Koum, einer der Stargäste des MWC, zeigte eine Vorliebe für altertümliche Technik.

(Bild: dpa, Alberto Estevez)

Schon im zweiten Jahr nach dem Umzug war das neue Messegelände diesem Ansturm nicht mehr gewachsen. Wohl auch deshalb wurden einige Veranstaltungen auf das alte Gelände ausgelagert, darunter das Entwicklertreffen Wipjam sowie mehrere Konferenzen für vertikale Märkte wie Tourismus, Medien und eHealth – sie alle hätten es verdient, näher am eigentlichen Messegeschehen zu sein. Ganz besonders gilt das für die Startup-Konferenz Four Years From Now mit ihrem Wettbewerb, bei der unter anderem WhatsApp-Chef Jan Koum und der Gründer von Fon, Martin Varsavsky, zu Gast waren. Immerhin haben nach GSMA-Angaben 5000 Besucher in die alten Hallen gefunden.

2014 konnte der Mobile World Congress mit einigen Superstars aufwarten. Auf der Hardwareseite war das Samsung Galaxy S5 das Smartphone mit der höchsten Hypewelle im Vorfeld der Messe. Auch Sony zeigte sein neues Flaggschiff auf dem MWC. Doch lohnt sich in Barcelona immer auch ein Blick auf kleinere und unbekannte Hersteller, die zum Teil mit innovativen Konzepten aufwarten. Abgesehen von der kalten Technik waren mit Jan Koum und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zwei junge CEOs zu Gast, denen die Branche bis vor Kurzem noch eher skeptisch gegenüberstand.

"Connected Cars" wie dieser Tesla S waren bei vielen Ausstellern zu sehen.

(Bild: heise online/vbr)

Dabei haben Whatsapp, Facebook und die Mobilfunkbranche das gleiche Ziel: die totale Vernetzung der Welt. Alle Menschen auf der Welt sollen ein Handy haben, mit dem sie ins Internet gehen. Und vom Auto bis zum Kühlschrank werden künftig alle möglichen Maschinen mit einer SIM-Karte ausgerüstet und sich diesem Netz anschließen. Auf der Messe war das Thema "Connected Drive" kaum zu übersehen: An etlichen Ständen präsentierten Mobilfunkunternehmen ihre Interpretation des Themas vernetztes Fahren.

Bereits zum zweiten Mal hat Ford ein neues Auto auf dem MWC vorgestellt. Der neue Ford Focus ist das erste Modell des Herstellers mit der verbesserten Einpark- und Fahrhilfe "Sync 2" sowie Touchscreen-Bedienung, Smartphone-Verbindung und Spracherkennung.Neben Ford war GM als zweiter Fahrzeughersteller auf der Messe vertreten. Ihm ging es aber vor allem darum, Entwickler für seinen Opel App-Shop zu gewinnen.

Der Traum der vernetzten Welt wird sich kaum mit iPhones und High-End-Androiden erfüllen lassen. So hatten viele kleine Mobilbetriebssysteme einmal mehr einen starken Auftritt in Barcelona. Das von Ex-Nokianern entwickelte Sailfish OS läuft inzwischen auch auf Android-Smartphones und auf dem Tablet Nexus 7. Das chinesische Unternehmen Meizu und der spanische Hersteller bq haben bereits Ubuntu-Smartphones angekündigt.

Mobile World Congress 2014 (11 Bilder)

Besucherrekord

85.000 Besucher besuchten die zwei Messegelände der Fira an der Gran Via und zu Füßen des Montjuic, um sich über die Neuheiten der Mobilbranche zu informieren... (Bild: heise online/acb)

Mozilla konnte für das im vergangenen Jahr vorgestellte Firefox OS viele neue Märkte präsentieren. Mit neuen Entwicklerwerkzeugen und Geräten, darunter auch Tablets, will die Mozilla-Stiftung mehr Entwickler für ihr Mobilbetriebssystem interessieren. Neben besser ausgestatteten Geräten soll auch ein 25-Dollar-Smartphone mit Firefox OS herauskommen.

Mit der Einführung des App Planet im Jahr 2010 hat sich der MWC auch zu einem wichtigen Treffpunkt für Entwickler und App-Economy gemausert. Zahlreiche Entwickler haben neue Apps mit nach Barcelona gebracht. Die Android-App Fetch - Apps you'll love räumte den Jury-Preis der Mobile Premier Awards ab, einer Art Oscar für mobile Software. Die App hilft mit Kategorien und einem Vorschlagssystem bei der Suche nach interessanten Apps.

Die iOS-App City Shopper macht auf Einkaufsangebote in Berlin aufmerksam. Abhängig von Budget, Produktinteresse und Stil kann der Nutzer Shops in seiner Umgebung finden. WaiterApp soll das Warten auf den Kellner minimieren, indem der Gast per Smartphone bestellt und bezahlt. Der iPhone-Musikplayer Splyce analysiert den Musikbestand des Nutzers und mixt die Tracks anhand des zuerst gewählten Lied und damit passen zum Feiern, Joggen oder Entspannen.

Allerhand Wearables zählen bei sportlichen Aktivitäten den Herzschlag oder die Schritte, etwa der Bluetooth-Pulsmesser mit AMOLED-Display Samsung Gear Fit. Auch die Smartwatch Samsung Gear 2 kommuniziert mit dem Smarthpone über Bluetooth und zählt den Puls. Fitbit stellte kein neues Gerät vor, forderte aber in der Fitbit-Challenge auf, der Messebesucher mit den meisten Schritten pro Tag zu werden.

Die Neuheiten der Security-Anbieter versprechen Hilfe bei Diebstahl. Bitdefender, avast, MacAfee und Kaspersky zeigten Apps, die bei Verlust das Gerät orten, Daten darauf löschen oder versuchen können, ein Foto des Diebs zu machen. Daneben stand der Schutz vor Malware im Vordergrund. Die Apps von Bitdefender und avast unterstützen bei Analyse und Blockade von Apps, die sich zu viele Rechte genehmigen.

Der Mobile World Congress 2015 findet vom 2. bis 5. März statt. (akr) / (jo) / (vbr)