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Alternative Rootzonen für DNS bislang wenig genutzt

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Das bei den Internet-Verwaltern der ICANN für Sicherheitsfragen zuständige Security and Advisory Committee (SSAC) empfiehlt, zügig die Möglichkeiten nicht-englischer Top Level Domains zu testen. In einem Bericht zu alternativen Rootzonen (PDF-Datei) schreibt das Komitee, bislang hätten kommerziell motivierte alternative Rootzone-Anbieter für erweiterte DNS-Adressräume kaum Nutzer anziehen können; das werde auch so bleiben. Der Grund sei, dass Nutzer mit erheblichen Einschränkungen bei der Erreichbarkeit der alternativen Top Level Domains (TLD) rechnen müssten. Das gleiche gelte für verschiedene Rebellen-Roots, deren Entstehung durch die Ablehnung von ICANNs bislang zähen TLD-Zulassungsverfahren motiviert sind.

Die Gewichte verschieben könnten allerdings "politisch motivierte" Alternativen zur herkömmlichen DNS-Rootzone, meinen die Fachleute. "Souveräne Staaten und multi-nationale Allianzen, die nicht darauf warten, dass ICANN Verfahren für die Zulassung internationalisierter Top Level Domains einführt und eigenen Regeln folgt, die denen von ICANN widersprechen, können eine Fragmentierung des Namensraums herbeiführen", heißt es im Bericht. "Einige Allianzen oder Regierungen etablieren alternative TLD-Adresssysteme und Rootserverdienste, weil sie gegen eine Einmischung der US Regierung sind." Andere wollten eigenen Nutzern auch Domains in der eigenen Schrift zur Verfügung stellen. Dabei dürften die Autoren an die jüngst viel diskutierten, kommerziell vertriebenen chinesischen TLDs in der .cn-Zone mit gedacht haben. Beim jüngsten ICANN-Treffen wurde der chinesischen Alternative aber die Absolution erteilt – "es handelt sich nicht um eine alternative Rootzone", sagte ICANN-Chef Twomey. Die chinesischen Domains funktionieren als durch ein Plugin verborgene "Third Level Domains", vergleichbar dem vor Jahren eingestellten Konzept von new.net. Letzteres hatte die ICANN damals allerdings abgelehnt.

Jetzt empfiehlt der SSAC-Bericht vor allem rasches Vorgehen bei der Internationalisierung der DNS-Rootzone und die damit auch verbundene Einführung neuer TLDs. Zuvor muss man sich aber einigen, ob das DNAME-Konzept (ein Mapping chinesischer com-Adressen in die .com-Zone per Non-Terminal DNS Name Redirection) oder die Neueinführung chinesischer TLDs betrieben werden soll. ICANN-Direktor Mouhamet Diop warnte beim ICANN Treffen in Wellington, mit dem Test auf DNAME zu warten, denn dies werde derzeit noch nicht von allen Root-Servern unterstützt. Vielmehr solle man die Möglichkeit neuer Domains so schnell wie möglich austesten. (Monika Ermert) / (jk)