Alternativer Domain-Anbieter New.net kollidiert mit T-Online

Ein neues Plug-in des alternativen Domainsanbieters New.net sorgte dafür, dass T-Online-Kunden keinen Internetzugang mehr hatten.

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Von
  • Monika Ermert

T-Online-Kunden waren in den vergangenen Wochen offenbar besonders betroffen: Ein neues Plug-in des alternativen Domainsanbieters New.net sorgte dafür, dass sie keinen Internetzugang mehr hatten. Mit einer Fehlermeldung wie "Online verursachte einen Fehler durch eine ungültige Seite in Modul " wurde die Verbindung der T-Online-Kunden ins Netz abgebrochen. Laut einer Antwort von T-Online im einschlägigen Usenet-Forum (de.comm.provider.t-online) ist man bei T-Online sicher, dass das Problem von einer Anfang Mai von New.net herausgegebenen neuen Version des Plug-ins rührt.

Die Software dient dazu, dass Nutzer die von New.net eingeführten Domains .kid, .hola, und rund zwei Dutzend weitere Top Level Domains erreichen können, die nicht im offziellen DNS-Rootzone-File eingetragen sind. Bislang leiten vier US-Provider die Anfragen nach den nicht-offiziellen Domains an New.net, bei den anderen Kunden ergänzt das Software-Plug-in die TLDs um den Zusatz .new.net, damit die entsprechenden Webseiten auffindbar sind.

Das Tückische an den Plug-ins ist, dass sie teilweise ohne das Wissen der Nutzer auf deren Rechner gelangen. Laut den Informationen von T-Online im Usenet – eine direkte Stellungnahme war weder von den DNS-Experten der Telekom noch von T-Online zu erhalten – gelangt die New.net-Software beim Herunterladen von Freeware wie Babylon, Go!Zilla oder BearShare zum ahnungslosen Nutzer. Das File wird bei Windows 9x unter C:\Windows\ abgelegt und startet automatisch. Von Zeit zu Zeit erfolgen dann außerdem automatische Online-Aktualisierungen der vorhandenen "Newdotnet.dll". Das Update vom Anfang Mai hatte es dann offensichtlich in sich und führte zu einer Kollision mit der T-Online-Software.

Für New.net kommentierte Sprecher Brad Copeland: "Wir haben das technische Problem mit T-Online festgestellt und haben in einer späteren Version der Software das Problem behoben. Allerdings gibt es eine Menge möglicher Kombinationen von Software und Hardware beim Enduser, und es ist manchmal schwierig, hundertprozentige Kompatibilität zu garantieren." Das T-Online-Problem sei allerdings behoben, versicherte Copeland zuversichtlich. Doch für die Nutzer älterer Versionen muss das nicht stimmen.

Auch in den USA klagen Nutzer offenbar vermehrt über Probleme mit der New.net-Software. Die Verantwortlichen auf der gegen Spamming und Spy-Software gerichteten US-Webseite cexx.org (Counterexploitation) können ein Lied von den Problemen mit der New.net-Software singen: "Ich bin 3 Wochen mit der E-Mail hinterher," schreibt einer der Organisatoren, "und ein beträchtlicher Teil davon stammt von verärgerten New.net-Kunden, die Hilfe wollen." Mit der Auffassung, dass die neuen "Alternativen" im DNS, allen voran New.net, weitere Kollisionen bei der Internetadressierung verursachen werden, stehen die Macher von cexx.org nicht allein. Auch Experten hierzulande fürchten, dass das DNS durch das Nebeneinander verschiedener Systeme gefährdet wird. Erst kürzlich stellte sich das DeNIC hinter die das offizielle DNS-Management durch die ICANN.

Das aktuelle Problem von T-Online-Kunden ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Bei der Telekom hält man sich völlig bedeckt zu der Frage, wie viele Kunden betroffen sind oder wie man ähnliche Probleme in der Zukunft vermeiden will. Im Usenet empfiehlt das T-Online-Team vorerst: In der Systemsteuerung die New.Net-Applikationen über die Deinstallationsroutine entfernen; außerdem sollte auch noch der entsprechende Autostarteintrag entfernt und die Datei Newdotnet2_90.dll (oder eine entsprechende Version) gelöscht werden. Die DLL sollte jedoch nicht ohne vorherige Deinstallation gelöscht werden, weil sie auch Winsock verändert, das dann Probleme macht. Ein Besucher der cexx-Seite drückte es so aus: "Fürchten sie sich sehr! Seien Sie gewarnt!", aber vor allem: "Checken Sie ihre Registry!" (Monika Ermert) / (jk)