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Altmaier trommelt für seinen "Airbus der KI"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat auf dem Digitalgipfel in Nürnberg zwei Großprojekte für Europa vorgeschlagen.

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Altmaier trommelt für seinen "Airbus der KI"

Peter Altmaier spricht auf dem Nürnberger Digitalgipfel.

(Bild: de.digital)

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat der EU-Kommission zwei neue europäische Großprojekte vorgeschlagen, die vom Staat gefördert werden können. Über die geplante EU-Batteriezellenfabrik gebe es bereits Gespräche mit Konsortien, sagte Altmaier auf dem 12. Digitalgipfel in Nürnberg. Sein Projekt eines "Airbus für die KI" sei dagegen ein dickeres Brett. Bislang sei er dazu vor allem mit großen deutschen und französischen Unternehmen im Gespräch.

"Ein KI-unterstützer Computer hat mit dem heutigen Computer ungefähr so viel zu tun wie ein Smartphone mit dem Wählscheibentelefon der 60er Jahre", sagte Altmaier auf dem Digitalgipfel. "Mit KI wird die Digitalisierung nochmal neu gedacht." Dabei müsse Deutschland unbedingt zu den Gewinnern gehören.

Um den großen KI-Marktführern, allen voran Google, Paroli zu bieten, braucht es laut Altmaier ein staatlich angeschobenes EU-Industrieprojekt. So wie das Flugzeugprojekt Airbus innerhalb von wenigen Jahrzehnten die Marktmacht der USA gebrochen habe, soll der "KI-Airbus" Europa in der Künstlichen Intelligenz voranbringen.

Ein weiteres Anliegen des Wirtschaftsministers sind regulatorische Anpassungen, um Wagniskapital in Europa freizusetzen. Das werde dringend gebraucht, um zu verhindern, dass die klügsten Köpfe von der nicht-europäischen Konkurrenz eingekauft würden. Die dritte Wachstumsphase nannte Altmaier die "Achillesferse" der Start-up-Entwicklung in Deutschland.

Viele erfolgreiche deutsche Start-ups würden genau dann von US-Investoren aufgekauft, wenn sie für den Sprung auf den Weltmarkt zusätzliches Kapital bräuchten. Daher will Altmaier Venture Capital Fonds nach Europa holen und regulatorische Bedingungen schaffen, damit etwa deutsche Versicherungsfonds ins Geschäft mit dem Wagniskapital einsteigen können.

Mit Blick auf die Sorgen vieler Bürger in Bezug auf die KI, sagte Altmaier, man müsse weg von der Vorstellung, dass mehr Daten automatisch weniger Datenschutz bedeuten. Die Protokollierung von Zugriffen auf elektronisch aufbewahrte medizinische Daten etwa schaffe doch eigentlich mehr Transparenz. Er sei sehr dafür, den ethischen Dialog über die KI zu führen, versicherte Altmaier, "das kann man auch in 15 Jahren noch machen". Die Verzögerung der Entwicklung oder gar Moratorien könne sich Deutschland seiner Meinung nach nicht leisten. (anw)

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