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Amazon Fire TV: Ein erster Eindruck

Nach der Vorstellung von Amazons Antwort auf Apple TV wollten wir natürlich möglichst schnell prüfen, was die Streaming- und Spiele-Box taugt. Darum haben wir eine aus den USA importiert und uns einen ersten eigenen Eindruck verschafft.

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Viel ist nicht drin in der Schachtel: eine kleine schwarze Kiste, eine Fernbedienung, zwei AAA-Batterien und das Universalnetzteil mit US-Stecker. Ein schlichter Adapter reicht, um Amazons Fire TV auch in Deutschland zu betreiben. Strom, HDMI und Netzwerkkabel (WLAN geht natürlich auch) angeschlossen, schon startet das Kistchen mit einer weiß pulsierenden Mini-LED – Apple TV lässt grüßen. Kurze Zeit später beglückwünscht einen ein animiertes Männchen auf dem TV-Schirm und führt durch die Grundfunktionen.

Erster Blick auf Amazons Fire TV

Das Menü läuft flüssig und ist übersichtlich in Kategorien gegliedert. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand und lässt sich nach kurzer Eingewöhnung nutzen, ohne hinzusehen.

Mit einer bei Amazon.com hinterlegten US-amerikanischen Kreditkarte konnten wir beim Amazon-eigenen Videodienst Instant Video problemlos Filme und Episoden von Serien mieten. Erwartungsgemäß klappt das derzeit mit einem deutschen Amazon- sowie Kreditkartenkonto nicht.

Wie bei den Amazon Kindles ist auch bei Amazon Fire TV das Amazon-Konto des Käufers vorkonfiguriert, wenn man das beim Kauf nicht explizit abwählt. Da man sich per Voreinstellung nirgends authentifizieren muss, kann jeder Nutzer des Fire TV ohne weitere Nachfrage Filme mieten und Apps kaufen. Um so etwas zu verhindern, muss man die "Parental Controls" aktivieren; dann kann man sowohl Instant Video als auch In-App-Käufe (siehe unten) mit einer PIN belegen. Letztere lassen sich in den Einstellungen des Amazon Appstore auch komplett unterbinden.

Die Qualität der gestreamten Videos ist – wie auch hierzlande bei Amazons Videodienst – nicht brilliant. Die Videos wirken allenfalls wie 720p und das adaptive Streaming braucht oft recht lange, um auf das höchste Bildniveau zu klettern. Filme und Serien starten aber auchg bei neu eingerichteten Accounts ohne große Film-Historie innerhalb von Sekunden. Wie gut Amazons "Advanced Streaming and Prediction" (ASAP) funktioniert, ist daher schlecht zu überprüfen. Normalerweise soll ASAP erraten, was man als nächstes schauen will, und so für möglichst kurze Ladezeiten sorgen.

Eine der spannendsten Funktionen der Box ist "Voice Search", das dem Anwender mühsames Getippe ersparen soll. Dazu spricht man direkt in die mitgelieferte, handliche Fernbedienung hinein. Anders als bei anderen Systemen ist die Sprachsuche nur solange aktiv, wie man den Mikrofon-Button auf der Fernbedienung drückt.

Per Sprache kann man nach Inhalten, Schauspielern, Apps und Spielen suchen; das funktioniert bei guter Internet-Anbindung fix, bei mittelmäßigem WLAN schon etwas träge, weil die Verarbeitung in der Cloud geschieht.

Das eigentliche Problem ist derzeit die Spracherkennungsrate: Wer sich bemüht, mit US-Slang zu sprechen, hat die größten Erfolge, doch allzu oft liegt Fire TV daneben. Das führt dann zu manchem Lacher, aber eben keinem sinnvollen Treffern: "Shoe Jackman", "I don't Schwarzenegger" und "Grill a Meyer" sind da nur einige Beispiele.

In der Redaktion hat sich das schnell zum Gesellschaftsspiel entwickelt: Voice Search Challenge – wer schafft es, dem Fire TV mit den wenigsten Versuchen den korrekten Treffer zu entlocken ... Hier hat Amazon noch einiges zu tun, vor allem vor einer Einführung im deutschsprachigen Raum, in dem es deutlich größeres Mischmasch aus hiesigen, englischsprachigen und französischen Filmtiteln gibt.

Eine Besonderheit der Amazon-Box sind Spiele, die man entweder mit den Tasten der Fernbedienung oder mit einem echten Game-Controller spielen kann. Schon vor dem Herunterladen respektive dem Kauf kann man sehen, ob man einen Controller braucht oder nicht. Da der speziell fürs Fire TV angebotene drahtlos Amazon Game Controller noch unterwegs war, haben wir kurzerhand einen Xbox-Controller per USB angeschlossen – und siehe da, er funktionierte klaglos.

Die Grafik der Spiele kann sich sehen lassen und liegt auf iPad-Niveau, allerdings findet sich in der noch übersichtlichen Spielauswahl von rund 150 Stück überwiegend Android-Einheitskost. Eine wichtige Ausnahme ist das von den Amazon Game Studios entwickelte "Sev Zero". Das Spiel für 6,99 US-Dollar (oder 699 Amazon Points) – eine Kombination aus Tower Defense und Ego-Shooter –, sieht zwar recht schick aus, kann spielerisch aber nicht überzeugen. Anfangs hakte das Bezahlen von Spielen und Apps. Nachdem unser Nordamerikakorrespondent die hinterlegte Kreditkarte durch eine kanadische ersetzte, klappte es zwar, dafür konnten wir keine Filme mehr mieten.

Von den eingebauten 8 GByte Speicher der Box sind nur 5,5 GByte frei verfügbar, sodass man durch App- und Spiele-Installationen recht schnell an die Grenzen stößt. Glücklicherweise lassen sich Deinstallationen recht bequem vornehmen.

Zwar gibt es neben Vimeo, YouTube und diversen anderen Apps bereits die bei der Vorstellung angekündigten Radio-Dienste Pandora und TuneIn Radio, Amazons eigener Musikdienst fehlt aber ebenso wie die Musikrubrik im Navigationsmenü. Beide sollen im Mai nachgeliefert werden.

Medien aus dem lokalen Netz bekommt man derzeit nur mithilfe der kostenpflichtigen Plex-App (99 US-Cent) auf das Fire TV. Das gilt auch für Fotos, die sonst nur über Amazons Cloud Drive den Weg auf das Fire TV finden. Wer ein Kindle-Fire-Tablet besitzt, kann die "Second Screen"-Funktion nutzen, um Musik und Videos ähnlich wie bei AirPlay über Fire TV auf den Fernseher zu beamen. Amazon Fire TV unterstützt weder Streaming mittels UPnP AV/DLNA noch die Wiedergabe von lokal via USB angeschlossenen Medien.

(vza)