Menü

Amazon: Ladengeschäfte in Deutschland möglich, Gewerkschaften unnötig

Amazon denkt über stationäre Geschäfte in Deutschland nach und will Käufe via Alexa fördern. Von Gewerkschaften hält das Unternehmen eher wenig.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 242 Beiträge

Vielleicht bald auch in Deutschland? Ein kassenloser "Amazon Go"-Laden, hier in Seattle.

(Bild: dpa, Andrej Sokolow)

Von

Der Internetriese Amazon spielt mit dem Gedanken, auch in Deutschland stationäre Läden zu betreiben. Amazon wisse, dass Kunden offline einkaufen und Vielfalt mögen, sagte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber gegenüber der Welt am Sonntag. Wann oder mit welchem Konzept Amazon in den Offline-Handel in Deutschland einsteigen will, ließ er jedoch offen.

In den USA betreibt Amazon bereits mehrere stationäre Läden unter dem Namen "Amazon Go". Die teilweise automatisieren Geschäfte kommen ohne Kassen aus. Im Geschäft wird von Kameras automatisch erfasst, welche Waren Kunden mitnehmen. Beim Verlassen des Ladens bezahlen sie per App.

Außerdem gehört die Biomarkt-Kette "Whole Foods Market" zu Amazon, die außer in den USA auch in Kanada und Großbritannien Ladengeschäfte unterhält. In Deutschland hat Amazon bisher nur temporäre Pop-Up-Stores betrieben, um zu bestimmten Anlässen – wie Weihnachten – auch offline Präsenz zu zeigen.

Egal, ob stationäre Amazon-Läden nach Deutschland kommen werden oder nicht: Mit Gewerkschaften wie ver.di will Amazon nicht zusammenarbeiten. Kleber sehe hier keine Notwendigkeit, mit Dritten zu kooperieren, schreibt die Welt am Sonntag. Der Manager sagte der Zeitung: "Man sollte sich von der Vorstellung lösen, dass man nur ein sozial gerechter Arbeitgeber sein könne, wenn man einer bestimmten Vereinigung angehört."

Das Unternehmen habe gewählte Betriebsräte, so der Deutschland-Chef, es biete gute Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten und zahle ordentliche Gehälter. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kämpft bei Amazon Deutschland seit Jahren um einen Tarifvertrag zu Bedingungen des Einzelhandels und um höhere Löhne – zuletzt auch wieder zur Weihnachtszeit.

Kleber erklärte gegenüber der Zeitung außerdem, dass Amazon Einkäufe über sprachgesteuerte Systeme wie das hauseigene Alexa stärker verbreiten will. Alexa sollte überhaupt Kunden den Umfang mit verschiedenen Geräten und Services erleichtern. Um die Verbreitung des Systems zu fördern, werde der smarte Lautsprecher Echo Dot zu taktischen Niedrigpreisen verkauft: "Amazon hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass man nicht sofort die komplette Gewinnmarge mit allen Elektronikgeräten realisieren muss“, sagte Kleber. (syt)