Amazon-Manager kündigt aus Protest gegen Entlassungen

Amazon hat Mitarbeiter gefeuert, die unzureichenden Schutz gegen Coronaviren beklagt hatten. Aus Protest dagegen schmeißt Tim Bray seinen Millionenjob hin.

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Diese Glaskugeln nutzt Amazon für Veranstaltungen in der Firmenzentrale in Seattle.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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"Der 1. Mai war mein letzter Tag als Vizepräsident und Distinguished Engineer bei Amazon Web Services (AWS), nach fünf Jahren und fünf Tagen belohnender Freude", schreibt der Kanadier Tim Bray in seinem privaten Blog, "Ich kündige aus Bestürzung darüber, dass Amazon Whistleblower entlassen hat, die über die Furcht von Lagermitarbeitern vor COVID-19 Lärm gemacht haben." Amazon hat mehrere Personen entlassen, die sich öffentlich geäußert oder versucht hatten, sich mit Kollegen zu organisieren.

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Dies waren laut Amazon nicht die Gründe für die Beendigung der Arbeitsverhältnisse, sondern die Betroffenen hätten Vorschriften etwa zum Schutz vor Ansteckungen missachtet. Bray hält diese Vorbringen für "lachhaft; es war jedem vernünftigen Beobachter klar, dass sie wegen whistleblowing gefeuert wurden." Zwar glaube er selbst, dass Amazon alles zum Schutz der Mitarbeiter unternehme, doch seien auch die Vorbringen der Mitarbeiter selbst glaubwürdig. In seinem Blogpost empfiehlt Bray dieses neunstündiges Video, in dem sich Amazon-Beschäftigte, auch aus Deutschland, Ende April zu Wort gemeldet haben.

Am Sick-Out-Day im April haben Amazon-Mitarbeiter einander über ihre Sorgen berichtet.

Whistleblower auf die Straße zu setzen sei für ihn nicht hinnehmbar. Nachdem seine internen Beschwerden durch die vorgesehenen Kanäle nichts gebracht hätten, habe er sich entscheiden müssen: Als Vice President weiterarbeiten und damit die Kündigungen gutheißen, oder kündigen. Seine Kündigung stimme ihn traurig und koste ihn nicht nur den besten Job, den er je hatte, sondern auch über eine Million Dollar vor Steuern in Form von entgangenem Gehalt und Aktienoptionen.

In seiner eigenen Unternehmenssparte AWS behandle Amazon das Personal "menschlich, strebt nach Work-Life-Balance (...) und ist im Großen und Ganzen eine ethische Organisation. Ich bewundere die Führungskräfte aufrichtig." Auch Amazons Streben nach einer durchmischten Belegschaft bei AWS honoriert der Manager, der früher unter anderem bei Sun und Google jahrelang tätig war.

Doch bei AWS seien die Gehälter hoch und die Kollegen könnten jederzeit anderswo Arbeit zu mindestens den gleichen Konditionen finden. Die Lagermitarbeiter hingegen hätten diese Verhandlungsmacht nicht, zumal in den USA die Arbeitslosigkeit grassiere und sie ohne Anstellung keine Krankenversicherung mehr hätten. "Jede glaubwürdige Lösung muss mit der Erhöhung ihrer kollektiven Stärke beginnen", so Bray. (ds)