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Amazon: Mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Verluste

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Mit rund 866 Millionen US-Dollar hat der Internethändler Amazon.com in den ersten neun Monaten dieses Jahres satte Verluste erzielt. Gleichzeitig konnte der Online-Einzelhändler seine Umsätze von Januar bis September 2000 massiv erhöhen und das internationale Geschäft stark ausgebauen.

Allein von Juli bis September setzte das Unternehmen 638 Millionen US-Dollar um, das sind 79 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresabschnitt. Insgesamt betrug der Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1,8 Milliarden US-Dollar. Mit dem Umsatz stiegen auch die Verluste: Für das letzte Quartal betrugen sie 240,5 Millionen Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es 197,1 Millionen US-Dollar gewesen. Ohne einmalige Sonderausgaben, unter anderem eine Abschreibung von 68 Millionen US-Dollar für Verluste bei Investitionen in andere Internet-Firmen, betrugen Amazons Verluste jedoch nur 89,5 Millionen US-Dollar (25 Cents pro Aktie). Analysten hatten einen Verlust von 33 Cents pro Aktie unter Herausrechnung einmaliger Belastungen erwartet.

Verantwortlich für das Umsatzplus ist vor allem der Verkauf von Elektronikerzeugnissen in den USA. Diese sind jetzt nach Büchern der zweitstärkste Umsatzträger – noch vor Musikartikeln. In den USA hat das Unternehmen mit Büchern, Musik und DVD-Videos im dritten Quartal erstmals einen Pro-Forma-Betriebsgewinn von 25 Millionen US-Dollar verbucht.

Amazon gilt als einer der wichtigsten Gradmesser für den Erfolg der New Economy. Die Internet-Branche zeigte sich angesichts der Zahlen positiv überrascht, da der Verlust des Unternehmens niedriger ausfiel als Analysten an der Wall Street erwartet hatten. Finanzexperten hatten zudem einen um 30 Millionen Dollar niedrigeren Umsatz vorausgesagt.

Im dritten Quartal hat Amazon 2,8 Millionen neue Kunden hinzugewonnen, damit haben sich nach Angaben des Unternehmens insgesamt bisher 25 Millionen Menschen auf der Handelsplattform registriert. Auch in Deutschland, Großbritannien und Frankreich erhöhte sich der Umsatz von Amazon um rund 121 Prozent auf 88 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Auslandskunden stieg um 225 Prozent auf 3,9 Millionen an. Auslandschef Diego Piacentini bezifferte den Anteil des internationalen Geschäfts am Amazon.com-Umsatz auf rund 23 Prozent.

Zum Jahresende will Amazon.com liquide Mittel von mehr als einer Milliarde US-Dollar in der Kasse haben, so die Ankündigung für das nächste Quartal. Auf Grund der Verbuchung von Geschäftskooperationen mit anderen Internet-Händlern, die diese nicht in bar, sondern mit Aktien bezahlten, sieht sich Amazon allerdings inzwischen mit einer Untersuchung durch die US-amerikanische Finanz- und Börsenaufsicht SEC konfrontiert. Amazon verbuchte diese Einkünfte in früheren Geschäftsberichten als normale Umsätze, musste die entsprechenden Zahlen allerdings nach unten korrigieren, als die Aktienkurse der Partner an der Börse einbrachen oder die entsprechenden Firmen sogar pleite gingen. Amazon zeigt sich aber optimistisch, dass die SEC keinen Anlass habe, gegen Amazon vorzugehen: Buchhaltungsexperten seien sich immerhin bis heute nicht sicher, wie solche Geschäfte abzurechnen seien. Man habe zu "konservativen Methoden" gegriffen und gehe davon aus, den richtigen Weg beschritten zu haben. (mbb)