Amazon-Mitarbeiter protestieren gegen Kündigungsandrohung

Klimaaktivisten von Amazon protestieren gegen den Versuch ihres Arbeitgebers, die Mitarbeiter-Gruppierung ruhigzustellen.

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(Bild: Ioan Panaite/Shutterstock.com)

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Eine Gruppe von Amazon-Mitarbeitern, die sich für mehr Umweltschutz in ihrem Unternehmen engagiert, will sich dem Druck nicht beugen: Unter dem Namen Amazon Employees for Climate Justice protestierten sie am Sonntag online gegen Amazons Verhalten gegenüber zwei Mitarbeitern, die sich öffentlich über den CO2-Ausstoß ihres Arbeitgebers geäußert hatten. Ihnen soll mit Entlassung gedroht worden sein.

Amazon hatte ihre Äußerungen als einen Verstoß gegen eine Richtlinie der externen Kommunikationspolitik des Unternehmens angesehen. Wie die Washington Post berichtete, sammelten sich daraufhin auf dem Blog der Klimaaktivisten insgesamt 357 Einträge von Amazon-Mitarbeitern, die das Vorgehen ihres Arbeitgebers kritisierten.

Laut Amazon verstoßen die Äußerungen der Klimaaktivisten gegen eine 2019 überarbeitete Richtlinie für externe Kommunikation des Unternehmens. Diese verbietet es, Firmeninterna ohne Zustimmung des Arbeitgebers zu veröffentlichen; darüber seien die Mitarbeiter informiert worden. Die Regel existiere wahrscheinlich auch in anderen großen Unternehmen, sagte Amazon-Sprecherin Jaci Anderson. Sie sei überarbeitet worden, um den Mitarbeitern den Umgang mit öffentlicher Kommunikation wie Reden oder Interviews zu erleichtern.

Die neue Richtlinie sei einen Tag nachdem die Umweltbewegung ihre Teilnahme an dem groß angelegten Klima-Protestmarsch 2019 verkündete erschienen, schrieb Emily Cunningham in einer Mail an GeekWire. Laut der Amazon-Klimaaktivistin sei der Zeitpunkt demnach nicht überraschend gewesen.

Auslöser für die Gründung der Mitarbeiter-Umweltbewegung waren unter anderem Amazons Partnerschaft mit Unternehmen für fossile Brennstoffe. Auch der aktuelle Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders zeigte sich auf Twitter solidarisch mit den Klimaaktivisten. Er stehe hinter diesen Leuten, die versuchen würden, die einzige Heimat zu beschützen, die wir haben.

Um Klimaschutzziele wie einen verringerten CO2-Ausstoß zu erreichen, üben Mitarbeiter von Tech-Giganten wie Amazon und Google seit über einem Jahr Druck auf ihre Arbeitgeber aus. Amazons Mitarbeiter fordern zudem mehr Transparenz, wenn es um die Einwirkungen des Unternehmens auf das Klima geht. Amazon-CEO Jeff Bezos reagierte, indem er im September 2019 einen Klimaschutzplan ankündigte, mit dem ambitionierten Ziel, die Klimaziele von Paris zehn Jahre früher als ursprünglich angestrebt zu erreichen. So soll Amazon bereits 2030 ausschließlich erneuerbare Energien nutzen. Der Online-Händler veröffentlichte zudem seinen CO2-Fußabdruck von 2018, der bei 44,4 Millionen Tonnen CO2 lag.

Auch Microsoft hat große Klima-Pläne für 2030: Bis dahin will das Unternehmen der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entziehen als es produziert. In einem Blog-Eintrag von Amazon Employees for Climate Justice, schrieb ein Amazon-Mitarbeiter daraufhin "Hell, if Microsoft can do it (go carbon negative), why can’t we?"

[Update 29.01.2020 16:15]

Amazon nahm zum Sachverhalt inzwischen Stellung gegenüber heise online und verwies auf Engagement für den Klimaschutz wie zum Beispiel die Gründung des Climate Pledge. Was den Umgang mit Mitarbeitern angeht, erklärte das Unternehmen "Bei uns sind alle Mitarbeiter eingeladen, sich in einem der vielen Teams bei Amazon zu engagieren, die sich mit Nachhaltigkeit und anderen Themen beschäftigen. Wir folgen unseren Kommunikationsrichtlinien und dulden nicht, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen oder die intensive Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen – die Lösungen für wichtige Probleme entwickeln – öffentlich herabsetzen oder falsch darstellen." (kim)