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Telepolis

Amazon: Panne mit Bestsellerlisten ohne homosexuelle Autoren

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Seit einigen Tagen tauchten tausende Buchtitel von homosexuellen Autoren nicht mehr auf den Bestsellerlisten des Online-Buchhändlers Amazon auf und waren damit auch bei der Produktsuche benachteiligt. Ein Autor, der nach dem Verkaufsrang seiner neuesten Veröffentlichung suchte, wurde darauf aufmerksam. Amazon erklärte dazu: Bücher mit Inhalten, die für Erwachsene bestimmt sind, würden von manchen Listen ausgeschlossen. Nach Berichten britischer Medien zeigte sich aber bald, dass die Säuberungsaktion keine Rücksicht auf Inhalte nahm.

So wurden unter anderem Werke von EM Foster (hierzulande bekannt durch "Zimmer mit Aussicht", "Howards End"), Annie Proulx ("Brokeback Mountain") und Gore Vidal ("Geschlossener Kreis") vom Ranking ausgeschlossen. Wie der Telegraph berichtet, wurde ein und dasselbe Buch, die Autobiographie von Stephen Fry, als Taschenbuch mit "gay" etikettiert, währenddessen die Hardcover-Ausgabe der Memoiren des homosexuellen Schriftstellers als "Autobiographe" rubrifiziert wurde und damit im Gegensatz zum Taschenbuch im Ranking auftaucht.

Nachdem Proteste laut wurden, sich über Twitter verbreiteten und Boykott-Kampagnen gegen Amazon gestartet wurden, räumte die Verantwortliche bei Amazon für die Kommunikation, Drew Herdener, öffentlich eine "Panne im System" ein. Das Problem in der Katalogisierung betreffe nicht nur Bücher, die von Amazon in den Vereinigten Staaten verkauft werden, sondern den weltweiten Vertrieb. Nach ihren Worten beeinflusste dass Problem nicht nur den Verkaufsrang, sondern auch die Produktsuche bei Amazon, da diese mit dem Ranking zusammenhängt. Insgesamt seien 57.310 Bücher davon betroffen, die zu größeren Kategorien wie "Gesundheit", "Geist und Körper", "Fortpflanzungsmedizin" und "Erotica" gehören.

Das Statement der Amazon-Sprecherin, das die Panne des Unternehmens hervorhob, richtete sich nach Informationen der Chicago Tribune gegen die Behauptungen eines Hackers, der sich öffentlich als Urheber der Panne bekannte. Eine Person namens "Weef"gab an, dass er ein Amazon-Feature, dafür vorgesehen, einen "unangemessenen Inhalt" zu berichten, in einem Script dazu verwendet habe, um Bücher mit homosexuellen Themen in ihrem Pagerank herabzusetzen. Darüber hinaus habe er Besitzer von ungenannten populären Webseiten dazu gebracht, eine Menge Beschwerden loszuschicken. (tpa)

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