Menü
Update

Amazon: Sprachassistentin Alexa kommt nach Deutschland

Ab jetzt spricht Amazons digitale Sprachassistentin auch deutsch und beantwortet Fragen oder steuert das Smart Home. Zunächst wird es hierzulande den stationären Lautsprecher Echo und den für den Anschluss an die HiFi-Anlage gedachten Echo Dot geben.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 289 Beiträge

Amazon hat bei einem Event in London den Europa-Start seiner digitalen Sprachassistentin Alexa und der zugehörigen Hardware verkündet. Alexa beantwortet auf Zuruf Fragen, ergänzt die Einkaufsliste, verliest die Wettervorhersage, buchstabiert Wörter, stellt den Wecker, rezitiert Wikipedia-Einträge und beherrscht inzwischen "Skills", mit denen sie Informationen von Webdiensten abrufen kann. Darüber hinaus kann Alexa Musik vom Amazon Cloud Player und Amazon Prime Music sowie anderen verknüpften Musikdiensten wie iHeart Radio, Spotify und TuneIn abspielen.

In Europa bringt Amazon den stationären Lautsprecher Amazon Echo in Schwarz und der neuen Farbe Weiß zum Preis von 180 Euro auf den Markt. [Update: Außerdem bringt Amazon in den USA, Großbritannien und Deutschland eine überarbeitete Version des Assistenz-Pucks Echo Dot – quasi ein Echo ohne das aufwendige Lautsprechersystem – zum Anschluss an externe Audiosysteme heraus. Anders als der nur in den USA verkaufte Vorgänger ist die Oberseite nicht drehbar, sondern hat stattdessen zwei Tasten (+ und -) zur Lautstärkeregelung. Der neue Echo Dot wird hierzulande 60 Euro kosten. Beide Echo-Geräte sind "Invitation only" und sollen am 26. Oktober erscheinen: Wer sie kaufen will, muss sich dafür auf der Aktionsseite www.amazon.de/echo bewerben. Für den deutschen Markt sind nach Amazon-Angaben 10.000 Geräte reserviert.

Prime-Mitglieder, die die Einladung vor dem 16. September um 18 Uhr anfordern, erhalten 50 Euro Rabatt beim Erwerb des Amazon Echo.]

Als erste hiesige Partner nannte Amazon unter anderem BMW, Spotify, TuneIn Radio, Deutsche Bahn, Tagesschau, Spiegel Online und TorAlarm. So kann man Alexa seinen Connected BMW abschließen und sich aktuelle Schlagzeilen von Nachrichtenseiten oder die Fußballergebnisse vorlesen lassen.

Unverständlich ist, warum Amazon in Europa nur zaghaft einsteigt: In den USA ist Alexa auch auf dem mobilen Bluetooth-Lautsprecher Amazon Tap sowie den Fire TVs und dem aktuellen Tablet Fire HD 8 zu Hause. Amazon-Mitarbeiter erklärten die Zurückhaltung damit, dass Alexa erst einmal mit verschiedenen Dialekten zurecht kommen müsse und die ersten 10.000 Nutzer somit als Sparrings-Partner für die deutsche Sprachentwicklung dienten. Für das Tablet wurde immerhin ein Update in Aussicht gestellt, das Alexa auch in Deutschland nachrüstet. Zu Fire TVs und Amazon Tap wurden keine Angaben gemacht.

Deutschlandstart Amazon Alexa (6 Bilder)

Einige der Herausforderungen, die Amazon auf dem Weg zu Alexa überwinden musste.

Alexas deutsche Stimme klingt etwas jünger, allerdings nicht ganz so rund wie das US-amerikanische Original (übrigens klingt auch die britische Alexa anders als die US-Alexa) – ein typisches Problem deutscher Sprachausgabe. Außerdem hört sich die deutsche Alexa leicht nasal an. Viele Fragen, die die englischsprachige Alexa beantworten kann, laufen bei der deutschen noch ins Leere. Ein deutsch/englischer Mischbetrieb ist offenbar nicht möglich.

Die Stimme wird halbsynthetisch erzeugt, es dienen also von eine tatsächlichen Person eingesprochene Silben als Grundlage.

Vorbild für Alexa war der Bordcomputer des Raumschiff Enterprise. Inzwischen arbeitet Amazon nach eigenen Angaben fünf Jahre an dem System. Das Grundgerüst bilden Maschinenlernen, Amazons Cloud-Dienste und Sprache als natürliches Eingabemedium. Ein Problem seien Umgebungsgeräusche und laute Musik. In beiden Fällen leidet die Verständlichkeit der Sprachbefehle. Amazon kontert das unter anderem mit Fernfeldmikrofonen und Beam-Forming.

Interessant: Man habe mit Roboterstimmen experimentiert, doch die Kunden wollten eine möglichst natürlich klingende menschliche Stimme.

Inzwischen beherrscht Alexa rund 3000 "Skills", um Informationen von zahlreichen Webdiensten abzurufen.

Während Echo hierzulande mit wenigen Fähigkeiten startet, beherrscht Alexa in den USA inzwischen über 3000 "Skills", über die sie mit Webdiensten kommunizieren kann. Um die Sprachsteuerung voranzutreiben, hatte Amazon die Entwicklung mit 100 Millionen US-Dollar angeschoben, die Alexa Voice Services (AVS) für Dritte geöffnet und stellte das passenderweise ASK genannte Alexa Skills Kit bereitgestellt. Über ASK lassen sich relativ einfach Webdienste mit Alexa anzapfen. Skills lassen sich einzeln über die Alexa-App oder per Sprachbefehl aktivieren.

Ein Dorn im Auge für Datenschützer sind die in der Voreinstellung von Echo und Echo Dot permanent auf das Stichwort "Alexa" lauschenden Raummikrofone und die Verarbeitung der Sprachbefehle in der Amazon-Cloud. Denn tatsächlich verarbeiten die Geräte nur das Signalwort ("Alexa", "Echo" oder "Amazon") lokal, die eigentliche Intelligenz steckt in den Alexa Voice Services in der Amazon-Cloud. Laut Amazon ist der Mute-Knopf hartverdrahtet, sodass die Mikrofone garantiert ausgeschaltet seien, wenn Echo und Echo Dot rot leuchten.

Gruselig: Amazon speichert alle Sprachschnipsel dauerhaft in der Cloud – das gilt übrigens auch für die Sprachbefehle des Fire TV (Stick). Die Daten lassen sich zwar im Nutzerprofil unter www.amazon.com/myx im Bereich Devices/Geräte löschen. Laut Amazon kann das jedoch zu einer schlechteren Spracherkennung führen.

(vza)