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Amazon: Verdi plant länderübergreifende Streiks

Im nationalen Alleingang könne man nichts gegen Amazon ausrichten, sagt Verdi und will künftig zeitgleiche internationale Streiks ins Leben rufen.

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Amazon-Logistikzentrum

(Bild: dpa, Uli Deck)

Bei dem "UNI Amazon Network Meeting" von Betriebsräten aus Europa und Nordamerika in Rom will die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gemeinsame Streiks der Lagerarbeiter beim Online-Händler Amazon diskutieren. Wie die WirtschaftsWoche am Donnerstag unter Berufung auf Thomas Voß, Bundesfachsekretär Versand- und Onlinehandel bei Verdi, berichtete, soll bei dem zweitägigen Treffen besprochen werden, wie künftig internationale "synchronisierte Streiks an den umsatzstärksten Tagen" realisiert werden können.

"Gewerkschaften können im nationalen Rahmen nichts gegen die Global Player wie Amazon ausrichten.", sagte Voß. Deshalb werde man ausloten, inwieweit ein koordiniertes Vorgehen im Arbeitskampf bessere Fortschritte erzielen könne. Ein denkbarer erster Schritt sei ein gemeinsamer Streik mit Amazon-Lagerarbeitern aus Italien und Spanien, erklärte Voß weiter. Die bisherigen Streiks auf nationaler Basis hatten beim Online-Versender keine besonders große Wirkung gezeigt, weil Amazon die Waren dann aus anderen europäischen Lagern versendet.

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Verdi und Amazon ist der seit 2013 andauernde Arbeitskampf um einen Tarifvertrag für die angestellten Lagerarbeiter wie im Einzelhandel und bessere Arbeitsbedingungen. Einen Bezahlung nach Tarif wie im Einzelhandel lehnt Amazon jedoch ab. Derzeit verdienen Mitarbeiter nach Angaben von Amazon mindestens 10 Euro brutto pro Stunde. Die Bezahlung richtet sich aber auch nach der Dauer der Zugehörigkeit des Mitarbeiters und dem jeweiligen Standort. Die Mitarbeiter erhalten außerdem Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld, Boni, Mitarbeiteraktien und -rabatte sowie Zahlungen zur Altersvorsorge und kostenfreie Versicherungen. Bei Bezahlung nach Tarif des Einzelhandels würden die Gehälter etwa zwischen knapp einem und zwei Euro pro Stunde höher ausfallen.

Amazon argumentiert, dass die hauseigenen Versandzentren Logistikunternehmen seien, die Mitarbeiter typische Logistikaufgaben wie Lagerung, Verpackung und Versand von Waren ausüben und die deshalb nicht mit den Tätigkeiten im Einzelhandel verglichen werden können. Verdi hält dagegen und bezeichnet Amazon als klassischen Versandhändler.

In anderen Ländern ist die Situation ähnlich. Deshalb hatte es am Black Friday im November 2017 an sechs deutschen Amazon-Standorten und in Piacenza, Italien einen zeitgleichen Streik gegeben. An den Streiks beteiligen sich aber jeweils nur Teile der Belegschaft, da nicht alle Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert sind. Verdi hatte bereits vor mehr als einem Jahr angekündigt, die internationale Vernetzung von Amazon-Arbeitnehmervertretern voranzutreiben, um länderübergreifende Streiks zu organisieren. (olb)