Amazon befürchtet Verlust zu Weihnachten

Der Onlinehändler Amazon will mit allen Mitteln wachsen. Für das kostspielige Unterfangen nimmt Konzernchef und Gründer Jeff Bezos sogar einen Verlust in Kauf. Den Aktionären schmeckt das gar nicht.

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  • dpa

Der Onlinehändler Amazon scheint in seinem Wachstumsdrang die Kosten aus den Augen zu verlieren. Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsquartal könnte schlimmstenfalls ein operativer Verlust von bis zu 200 Millionen Dollar entstehen, warnte der US-Konzern am Dienstag und schickte damit seine Aktie auf Talfahrt.

Bereits im dritten Quartal, das mit dem September endete, brach der Gewinn auf unterm Strich 63 Millionen Dollar ein. Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon noch fast viermal so viel verdient. Amazon pumpt massiv Geld in den Ausbau seines Geschäfts: in neue Versandzentren, mehr Werbung oder in die Entwicklung neuer Produkte.

Umsätze und Ergebnisse der vergangenen fünf Quartale.

Die Aktionäre waren vor den Kopf gestoßen. Analysten wussten zwar um Amazons kostspieligen Wachstumsdrang. Doch sie hatten nicht mit einem derartigen Einbruch gerechnet. Nachbörslich stürzte die Aktie um 12 Prozent und mehr ab. Bereits im regulären Handel war der Kurs um mehr als 4 Prozent zurückgegangen.

Auf der einen Seite will Amazon die Führungsposition im Onlinehandel mit allen Mitteln verteidigen, unter anderem mit günstigen Preisen. Auf der anderen Seite entwickelt sich Amazon immer mehr zum Anbieter von Inhalten wie Filmen und Musik. Dazu hat der Konzern jüngst einen eigenen Tablet-Computer namens Kindle Fire vorgestellt. Auch nimmt Amazon zunehmend Autoren unter Vertrag und verlegt selbst Bücher. Im vergangenen Quartal waren es laut Mitteilung 61 Titel.

Die Vorstöße führen zu rasantem Wachstum. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 44 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar. Die Kehrseite des Wachstums ist jedoch eine schwindende Gewinnmarge. Von jedem eingenommenen Dollar blieb zuletzt gerade noch ein halber Cent bei Amazon hängen.

Analysten schätzen, dass Amazon beim Kindle Fire sogar Geld drauflegt und – ähnlich wie Druckerhersteller mit ihren Patronen – erst später mit den Inhalten verdient. Das Gerät kostet mit 199 Dollar nicht mal die Hälfte eines Apple iPad, hat allerdings auch einen kleineren Bildschirm. Das einfachste Kindle-Lesegerät mit Schwarzweiß-Bildschirm für elektronische Bücher gibt es schon für 79 Dollar.

Nach den Worten von Firmengründer und Chef Jeff Bezos kommen die neuen Kindle-Modelle bei den Kunden bestens an. Für den Schwarzweiß-Kindle seien schon doppelt so viele Bestellungen eingegangen wie für das Vorgängermodell bei dessen Premiere, sagte Bezos. "Und auf Basis der Vorbestellungen, die wir beim Kindle Fire sehen, stocken wir unsere Kapazitäten auf und bauen Millionen mehr als wir ohnehin geplant hatten." Der Kindle Fire soll in den USA ab 15. November ausgeliefert werden.

Sowohl in Nordamerika als auch im Ausland steigerte Amazon um 44 Prozent. Im ursprünglichen Geschäft mit Medien wie Bücher, CDs und DVDs erwirtschaftete der Konzern in Nordamerika 1,93 Milliarden US-Dollar Umsatz, mit anderen Gütern 3,64 Milliarden US-Dollar. Außerhalb des Heimatkontinents beträgt der Medien-Umsatz 2,23 Milliarden US-Dollar gegenüber 2,68 Milliarden Umsatz mit anderen Waren.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Amazon
in US-Dollar
Quartal Umsatz Gewinn/
Verlust
1/00 574 Mio. -308,4 Mio.
2/00 577,9 Mio. -317,18 Mio.
3/00 638 Mio. -240,5 Mio.
4/00 972,4 Mio. -545,1 Mio.
1/01 700 Mio. -234 Mio.
2/01 668 Mio. -168,4 Mio.
3/01 639 Mio. -170 Mio.
4/01 1.120 Mio. 5,09 Mio.
1/02 874,4 Mio. -23,2 Mio.
2/02 806 Mio. -93,6 Mio.
3/02 851 Mio. -35,1 Mio.
4/02 1.400 Mio. 2,6 Mio.
1/03 1.080 Mio. -10,0 Mio.
2/03 1.100 Mio. -43,0 Mio.
3/03 1.130 Mio. 15,6 Mio.
4/03 1.945 Mio. 73,6 Mio.
1/04 1.530 Mio. 111,0 Mio.
2/04 1.390 Mio. 76,0 Mio.
3/04 1.460 Mio. 54,1 Mio.
4/04 2.541 Mio. 346,7 Mio.
1/05 1.900 Mio. 78,0 Mio.
2/05 1.750 Mio. 52 Mio.
3/05 1.860 Mio. 30 Mio.
4/05 2.977 Mio. 199 Mio.
1/06 2.280 Mio. 51 Mio.
2/06 2.139 Mio. 22 Mio.
3/06 2.307 Mio. 19 Mio.
4/06 3.986 Mio. 98 Mio.
1/07 3.015 Mio. 111 Mio.
2/07 2.886 Mio. 78 Mio.
3/07 3.262 Mio. 80 Mio.
4/07 5.673 Mio. 207 Mio.
1/08 4.135 Mio. 143 Mio.
2/08 4.063 Mio. 158 Mio.
3/08 4.264 Mio. 118 Mio.
4/08 6.704 Mio. 225 Mio.
1/09 4.900 Mio. 177 Mio.
2/09 4.651 Mio. 142 Mio.
3/09 5.449 Mio. 199 Mio.
4/09 9.519 Mio 384 Mio.
1/10 7.131 Mio. 299 Mio.
2/10 6.566 Mio. 207 Mio.
3/10 7.560 Mio. 231 Mio.
4/10 12.948 Mio. 418 Mio.
1/11 9.857 Mio. 201 Mio.
2/11 9.913 Mio. 191 Mio.
3/11 10.876 Mio. 63 Mio.

(mit Material von dpa) / (anw)