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Amazon bekommt Abzock-Masche seit Jahren nicht in den Griff

Betrüger kapern die Shops von seriösen Amazon-Händlern und zocken unbedarfte Nutzer ab. Das Erstaunliche: Amazon schafft es seit rund vier Jahren nicht, das Treiben zu beenden.

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Abzock-Masche auf Amazon.de läuft seit rund vier Jahren

Ein Amazon-Shop mit über 66.000 Lock-Angeboten von Betrügern.

Seit rund vier Jahren bekommt Amazon eine Abzockmasche auf seinem Online-Marktplatz nicht in den Griff, berichtet c't in der aktuellen Ausgabe. Mindestens seit Anfang 2013 stellen Betrüger günstige Lock-Angebote auf die Plattform, fordern Interessenten zur Kontaktaufnahme per Mail auf und bringen sie mit gefälschten Amazon-Bestellbestätigungen dazu, Geld ins Ausland zu überweisen. Die so bestellte Ware wird nie geliefert.

Die Betrüger eröffnen selbst Amazon-Shops oder kapern die Shops seriöser Händler. Gegenüber c't schilderte ein Händler, wie er auf eine gefälschte Amazon-Mail hereinfiel und Betrüger mit seinen Zugangsdaten in weniger als einer Stunde über 60.000 Fake-Angebote inserierten.

Die Masche sei "natürlich bei uns bekannt", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts Baden-Württemberg gegenüber c't. Die Zahl der Opfer ist allerdings unklar, da die Polizei in ihrer Statistik nicht nach Plattformen wie Amazon oder Ebay unterscheidet. 2015 wurden bundesweit 75.000 Fälle von "Warenbetrug mit Tatmittel Internet" angezeigt. Einer Studie zufolge wird nur jeder vierte Fall angezeigt.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beobachtet den "strategisch geplanten Dauerangriff" auf Amazon.de seit Anfang 2013. Sprecher Georg Tryba fordert Amazon auf, Nutzer an prominenter Stelle vor der Masche zu warnen – zum Beispiel auf den einzelnen Produktseiten oder wie viele Banken auf der Login-Seite oder der Startseite. Amazon wolle die Fragen der Verbraucherzentrale dazu aber "partout nicht beantworten".

Auf Anfrage von c't erklärte Amazon, dass man unzulässige Angebote sofort lösche, wenn man von ihnen erfahre. Rückfragen zu konkreten Schutzmaßnahmen beantwortete das Unternehmen allerdings nicht. Offen blieb deshalb zum Beispiel, ob Amazon plant, künftig Profi-Seller-Konten mit Upload-Funktion besser zu schützen. Durch die Upload-Funktion können Betrüger auf einen Schlag Zehntausende Fake-Angebote online stellen.

Lesen Sie dazu bei c't:

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