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Amazon.com: Der König der roten Zahlen

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Amazon.com verbuchte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 308,4 Millionen US-Dollar; im ersten Quartal des vergleichbaren Vorjahreszeitraums machte der Online-Shop noch einen Verlust von 61,7 Millionen US-Dollar. Rechnet man Sonderaufwendungen, vor allem für Akquisitionen anderer Online-Shops, aus diesen Zahlen heraus, betrug der Verlust vom Amazon immer noch 122 Millionen US-Dollar gegenüber 36 Millionen US-Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal – eine Zunahmen der roten Zahlen um über 200 Prozent. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 95 Prozent auf 574 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Kunden, die bei Amazon einkauften, nahm im ersten Quartal um 3,1 Millionen auf 20 Millionen zu.

Damit setzt Amazon eine lange "Tradition" der roten Zahlen fort. Als Online-Buchshop war Amazon.com gestartet, inzwischen bezeichnet sich das Unternehmen selbst als weltgrößten Internet-Einzelhändler – Gewinn warf das Unternehmen aber noch nie ab. Amazon-Chef Jeff Bezos vertritt unverändert die Meinung, der Online-Shop müsse massiv investieren, um eine Art allumfassendes Internet-Warenhaus zu werden – dafür müssten auch operative Verluste hingenommen werden. Immerhin rechnet Amazon damit, dass zumindest das Buch-, Musik- und Videogeschäft in den USA dieses Jahr einen Betriebsgewinn abwerfen wird. Außerdem habe man noch eine Milliarde US-Dollar an Barmitteln, die man für die weitere Expansion einsetzen wolle.

Ob diese Vorgehensweise von Amazon aufgeht, beobachten die Börsianer inzwischen sehr genau. Zwar erwarten einige Analysten bereits, dass der Gesamtkonzern irgendwann nächstes Jahr Profite erwirtschaften könnte, einige Marktstudien sprechen aber auch schon davon, dass nur die wenigsten der reinen Online-Shops überleben würden. Auch müssten sich die Internet-Händler mehr auf bestimmte Warensortimente konzentrieren – genau das Gegenteil dessen, was Amazon vorhat. Zumindest wurden die Börsianer in den letzten Monaten etwas nervös, was die roten Zahlen Amazons betraf: Sie straften den Online-Shop mit einem Verfall des Aktienkurses auf gut die Hälfte seines Höchststands vom Dezember 1999 ab. Die neuen, gestern nach Börsenschluss vorgelegten Geschäftszahlen dürften aber nach Meinung einiger Analysten nicht zu einem weiteren Einbruch des Kurses führen – der Verlust war immerhin etwas geringer, als die Wall Street erwartet hatte. Und angesichts von Umsatzsteigerungen und Zunahme der Kundenzahl wird Amazon wohl immer noch als eine der Internet-Firmen betrachtet, die zu berechtigten Hoffnungen auf ein irgendwann profitables Geschäft Anlass gibt. Zumindest konnte sich der Aktienkurs in den letzten Tagen behaupten und sogar leichte Gewinne verbuchen. (jk)