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Amazon geht als Verlag in die Offensive

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Der US-amerikanische Online-Einzelhändler Amazon plant, in diesem Jahr noch 122 Bücher im eigenen Verlag herauszugeben – und zwar sowohl in herkömmlicher Weise als auch im E-Book-Format. Außerdem wirbt das Unternehmen derzeit Autoren von anderen Verlagen ab, berichtet die New York Times.

Amazon ist bereits seit 2009 im Verlagsgeschäft aktiv. Einen eigenen Großverlag gründete das Unternehmen aber erst im Mai dieses Jahres, und zwar geleitet von Larry Kirshbaum, der zuvor Chef der Time Warner Book Group war. Mit Tim Ferris gewann Amazon im August den ersten namhaften Autoren. Laut dem Zeitungsbericht zahlt das Unternehmen nun 800.000 US-Dollar für den Abdruck der Lebenserinnerungen der US-amerikanischen Regisseurin und Schauspielerin Penny Marshall.

Nach den Buchhändlern könnte Amazon nun also die Verlage durch Konkurrenz in Bedrängnis bringen. Diese wollten sich meistenteils gegenüber der New York Times nicht offiziell äußern. Dennis Loy Johnson vom kleinen Verlag Melville House meint, die Verleger würden panisch und wüssten nicht, was zu tun sei. Amazon-Manager Russell Grandinetti sagte laut dem Bericht, gegenwärtig vollziehe sich ein Wandel in einem Ausmaß, wie es ihn seit Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern nicht gegeben habe. Die einzig notwendig Beteiligten im Veröffentlichungsprozess seien nunmehr der Autor und der Leser. Alle, die dazwischen stehen, hätten Möglichkeiten, aber auch Risiken.

Diese könnten hoch sein, ist einem Bericht der Financial Times Deutschland zu entnehmen. Das Verlagsgeschäft erfordere hohe langfristige Investitionen, die Erlöse seien gering und die Arbeit sehr aufwendig und detailliert, sagte demnach Dominique Raccah, Chefin des kleinen Chicagoer Verlags Sourcebooks. Während in Verlagshäusern "mindestens ein Dutzend" Augen über jeden Text gingen, könne Amazon dies nicht leisten. Analysten hingegen glaubten, Amazon könne erfolgreich sein, das Verlagsgeschäft sei zurzeit nicht effizient. (anw)

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