Amazon legt Frankreichs Digitalsteuer auf Marketplace-Händler um

Für die Kosten der französischen Digitalsteuer hat Amazon offenbar eine Lösung gefunden: auf Marketplace-Händler abwälzen.

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(Bild: Eric Broder Van Dyke/Shutterstock.com)

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Onlinehändler Amazon will die Kosten für die neue Digitalsteuer in Frankreich auf dortige Drittanbieter umlegen, die die Plattform Amazon Marketplace nutzen. Angesichts "massiver Investitionen“ in neue Services könne das Unternehmen keine "zusätzliche Besteuerung“ stemmen, sagte ein Unternehmenssprecher der französischen Nachrichtenagentur AFP. Für kleinere französische Firmen könne das ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Händlern aus dem Ausland sein, erklärte Amazon. Vor solchen Konsequenzen der Digitalsteuer habe man Frankreichs Behörden "gewarnt“.

Das französische Wirtschaftsministerium erklärte laut dem AFP-Bericht, dass das Digitalsteuergesetz solche Umlegung nicht verlange. "Amazon hat sich dafür entschieden, die Kosten für diese Steuer auf kleine und mittelgroße Unternehmen zu übertragen, die seine Dienstleistungen nutzen. Es gibt nichts, das sie dazu verpflichtet", hieß es demnach.

Die Anfang Juli beschlossene Digitalsteuer zielt auf große und international tätige Internet-Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple ab. Sie betrifft damit vor allem US-amerikanische Firmen. Unternehmen, die mit ihren digitalen Aktivitäten einen weltweiten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro erwirtschaften und in Frankreich mehr als 25 Millionen Euro Umsatz erzielen, sollen unter anderem drei Prozent Steuern auf lokale Online-Werbeerlöse zahlen.

Die US-Regierung hält die französische Steuer für diskriminierend gegenüber multinationalen Firmen mit Sitz in den USA. US-Präsident Donald Trump droht wegen der Steuer mit Strafzöllen auf französischen Wein. Die Steuer sei "falsch" und die USA müssten deshalb reagieren. Frankreich "hätte das nicht tun sollen", erklärte er weiter.

Frankreich hatte zunächst eine globale oder europäische Lösung für eine Digitalsteuer angestrebt, bislang gibt es jedoch noch keine dahingehende Einigung. Das jüngste G7-Treffen Mitte Juli hat allerdings für eine Annäherung großer Wirtschaftsmächte gesorgt. In der Frage, wie und wo insbesondere große Internetunternehmen wie Google, Amazon oder Apple Abgaben zahlen, gebe es gute Aussichten auf eine Abmachung im nächsten Jahr, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). (axk)