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Amazon überfordert Paketdienste

Das Paketvolumen bei Amazon und anderen Online-Händlern steigt und steigt. Die klassischen Paketdienste stoßen an Kapazitätsgrenzen. Also muss Amazon immer mehr selbst erledigen.

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Amazon-Pakete

(Bild: dpa, Oliver Mehlis)

Amazon.com investiert in Flugzeuge, eine Reederei und hat kürzlich tausende LKW-Anhänger bestellt. Das ließ das Gerücht aufkommen, dass Amazon den bestehenden Paketdiensten Konkurrenz machen möchte. Donnerstagabend zerstreute Finanzchef Brian Olsavsky etwaige Befürchtungen in dieser Richtung. Die Paketdienste hätten einfach nicht mehr ausreichend Kapazität, um alle Amazon-Lieferungen durchführen zu können.

Ein Amazon-Fresh-Lieferwagen in San Francisco

(Bild:  Andrew Nash CC-BY-SA 2.0 )

"Diese Carrier sind nicht länger in der Lage, unsere gesamte Menge, die wir in der Spitze brauchen, abzuwickeln", sagte er in der Telefonkonferenz anlässlich der Bekanntgabe von Amazons Jahreszahlen für 2015, "Sie waren und sind weiterhin tolle Partner. Und wir freuen uns darauf, auch in Zukunft mit ihnen zusammenzuarbeiten."

"Wir mussten einfach eigene Kapazität hinzufügen", fuhr Olsavsky fort. Der Schwerpunkt liegt dabei in Transporten zwischen Amazons Lagern und Auslieferzentren. Für besonders schnelle Lieferungen, etwa im Rahmen von Amazon Now oder Amazon Fresh, sind in manchen Städten aber auch LKW mit Amazon-Branding unterwegs. Hier greift Amazon aber in der Regel auf Dienstleister zurück.

Amazons Umsatz ist im vierten Quartal auf 35,75 Milliarden US-Dollar gestiegen, ein Zuwachs von 22 Prozent im Jahresabstand. 60 Prozent dieses Umsatzes erzielte der Konzern mit Online-Handel in Nordamerika. Die Zahl der weltweit verkauften "Einheiten" ist sogar um 26 Prozent gestiegen.

Zwar gehören zu diesen "Einheiten" auch bezahlte Downloads. Und fast die Hälfte der über Amazon gehandelten Produkte wird im Namen Dritter verkauft. Doch inzwischen liegt fast die Hälfte der von Dritten verkauften Produkte in einem Amazon-Lager und wird von Amazon zum Kunden geschickt.

Dieses beliebte Service nennt sich "Fulfillment by Amazon" (FBA). "Es war ein wirklich starkes Quartal für (FBA). Es hat große Anforderungen an unsere Lager gestellt, wir waren voll", berichtete der Finanzchef, "(FBA) hat sogar unsere Erwartungen übertroffen."

In Kanada begann Amazon mit Testflügen mit Drohnen.

Dazu kommt, dass Amazon immer mehr Prime-Abonnements verkauft. Deren Zahl ist 2015 um die Hälfte gestiegen. Wichtigstes Merkmal dieses Jahresabos sind neben Video-Streaming die schnellen, gebührenfreien Lieferungen. Und Prime-Kunden bestellen im Schnitt häufiger, als andere Kunden es tun.

Die besten Kunden zu verärgern ist eine schlechte Idee. Also müssen immer mehr Lieferungen immer schneller durchgeführt werden. Die berühmten Amazon-Drohnen werden das Problem auf absehbare Zeit nicht lösen. Und weil Amazon weiterhin stark wachsen möchte, überrascht es nicht, dass es selbst immer mehr transportiert. Für die Paketdienste bleibt aber noch genügend Arbeit übrig. (ds)

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