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Amazons Marktmacht: Monopolkommission denkt über Entbündelung nach

Ist Amazon zu dominant geworden? Der Chef der Monopolkommission bringt eine Entbündelung von Diensten bei Amazon Prime in Spiel.

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Amazon

(Bild: dpa, Richard Drew/AP/dpa)

In der Frage von Amazons Marktmacht in Deutschland hat sich nun auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, für eine Begrenzung ausgesprochen. "Man könnte bei Amazon in Richtung einer Entbündelung auf Produktebene denken“, sagte Wambach der Zeitung Welt am Sonntag. Ein Vorbild dafür könnte seiner Ansicht nach ein Verfahren der EU-Kommission gegen Google aus dem vergangenen Jahr sein.

Die Behörde hatte Google im Juli 2018 eine Wettbewerbsstrafe in einer Rekordhöhe von 4,34 Milliarden Euro auferlegt. Zusätzlich sollte das Unternehmen tiefgreifende Änderungen an seinem Android-Geschäftsmodell vornehmen: Die Kommission störte sich besonders daran, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, immer ein komplettes Paket aus elf Google-Apps auf ihre Geräte bringen müssen. Das sei ein Missbrauch von Marktdominanz.

"Auch Amazon Prime verknüpft verschiedene Leistungen", zog Wambach gegenüber der Welt am Sonntag die Parallele zu Amazon. Neben Vorteilen beim Versand umfasst der Abo-Dienst Prime auch Leistungen wie Musik- und Videostreaming sowie eine kostenlose Leihe von E-Books.

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratergremium der Bundesregierung, das Gutachten zu politischen und rechtlichen Wettbewerbsthemen erstellt und zu aktuellen Fragen Stellung nimmt. Direkte Eingriffsmöglichkeiten wie das Bundeskartellamt hat das Gremium nicht – allenfalls kann öffentlich gemahnt werden. Ob die Anregungen des Kommissions-Vorsitzenden politisches Gehör finden, bleibt zu abwarten.

Kartellrechtliches Ungemach droht Amazon jedenfalls schon aus einer anderen Richtung. Im Februar hat die Österreichische Kartellbehörde Ermittlungen eingeleitet, das deutsche Bundeskartellamt zuvor schon im November. Beide Verfahren sollen prüfen, ob der Konzern eine marktbeherrschende Stellung gegenüber Händlern missbrauche, die auf Amazon Marketplaces aktiv und zugleich auf diesen angewiesen sind. Auf EU-Ebene untersucht die EU-Kommission ebenfalls diese Doppelrolle Amazons als Verkäufer und Händler-Plattform.

Dominant im deutschen Onlinehandel ist Amazon.de jedenfalls ohne Zweifel: Rund 46 Prozent der deutschen Onlinehandels-Umsätze entfielen 2017 auf Amazon inklusive Amazon Marketplaces, wie aus dem Handelsmonitor des Verbands HDE hervorgeht. Getrennt gesehen steuert die Händlerplattform Market Places 25 Prozent bei, Amazon.de 21 Prozent. Laut dem Handelsinstitut IFH beeinflusst Amazon inzwischen auch die Käufe auf anderen Plattformen, weil es zur wichtigsten Produktsuchmaschine und Informationsquelle für Onlineshopper geworden ist. (axk)