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Amazons Übermacht: Institut für deutsche Wirtschaft hält Zerschlagung für Option

Amazon ist Händler und Plattform für Händler zugleich, was laut einer Studie deutscher Ökonomen unfaire Bedingungen schafft und neue Regelungen erfordert.

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(Bild: Eric Broder Van Dyke/Shutterstock.com)

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Amazons Doppelrolle als Händler und Betreiber der Handelsplattform Amazon Marketplace sorgt schon länger für wettbewerbsrechtliche Debatten. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer Studie dazu Wettbewerbsverzerrungen im Onlinehandel festgestellt und, wie das Handelsblatt berichtet, sogar die Zerschlagung Amazons als mögliche Lösung ins Spiel gebracht.

Das sei allerdings der "größtmögliche Eingriff“ und daher "mit Vorsicht zu verwenden“, schränkten die Forscher laut Handelsblatt-Bericht ein. Ebenfalls könne Amazon auch gezwungen werden, seine gesammelten Daten über Kundenverhalten und Produkte anderer Anbieter auch mit seinen Wettbewerbern zu teilen. Solche Datenschätze lassen sich etwa zu zielgenaueren Angeboten nutzen. Alternativ sei auch eine Entflechtung der Unternehmensteile möglich. Eine Zerschlagung geht auch dem Mittelstandsverbund ZGV, der die Studie finanziert hat, zu weit. Aber Zugriff auf die Daten würde ein "ebenes Spielfeld" schaffen, fordert der Verbands-Chef.

Wichtig ist es dem IW zufolge, die geltenden Regeln anzupassen, damit Mittelständler "in einen gleichberechtigten Wettbewerb mit großen Plattformen“ eintreten können. Denn derzeit gerieten kleine und mittlere Unternehmen "in ein immer größeres Abhängigkeitsverhältnis zu den großen Plattformen, ohne von den auf diesen generierten Daten in gleichem Maße profitieren zu können“, kritisieren die Forscher.

Mit Amazon Marketplace können Händler ihre Artikel über die Amazon-Website verkaufen und dabei bei Bedarf auch auf die Logistik-Infrastruktur des Konzerns zugreifen. Die Plattform für Waren von Drittanbietern ist für den US-Konzern immens wichtig. Nach Firmenangaben stammen 58 Prozent des weltweit über Amazon erwirtschafteten Bruttowarenumsatzes von diesen Händlern. Und beim Marktanteil von 46 Prozent, den Amazon.de im deutschen Online-Handel innehat, entfallen allein 27 Prozent auf Marketplaces, wie aus dem Handelsmonitor 2018 des Verbands HDE hervorgeht.

Die Frage, ob Amazon den Wettbewerb verzerrt, ist auch längst schon Gegenstand kartellrechtlicher Untersuchungen: Sowohl die EU-Kommission als auch die US-Handelsbehörde FTC prüfen, ob die Doppelrolle als Händler und Plattform für andere Händler nicht zu Verzerrungen führt. In Deutschland hatte das Kartellamt im Juli des Jahres ein Missbrauchsverfahren eingestellt, nachdem Amazon Verbesserungen für Marketplace-Händler einführte.

Auch die Bundesregierung scheint wohl eine härtere Gangart zu planen: Anfang Oktober wurde bekannt, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Wettbewerbsregeln für die Internetriesen verschärfen will. Die großen Anbieter sollen etwa Angebote von Wettbewerbern und ihre eigenen Angebote bei der Darstellung von Suchergebnissen gleich behandeln. (axk)