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Amiga Inc. schlüpft unter das Dach von KMOS

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Die bewegte Geschichte des Amiga geht weiter -- wenn auch nur mit einem neuerlichen Eigentümerwechsel: Auf der AmiWest in Sacramento verkündete Gary Hare, Geschäftsführer der US-Firma KMOS, die Übernahme der Firma Amiga Inc. KMOS hatte bereits im vergangenen Jahr die Rechte am AmigaOS gekauft. Der neue Eigentümer will sich auf die Produkte für PDAs, Handys und Set-Top-Boxen konzentrieren.

Hare verkündete auch die Übernahme der finnischen Capacity Networks, die auf Data-Storage-Lösungen spezialisiert ist. Mit dem eingekauften Know-how will die Firma ein erweitertes und abgesichertes AmigaOS für Mobilgeräte herstellen. Dabei sollen sowohl das klassische AmigaOS als auch Erweiterungen des neu entwickelten AmigaDE zum Zuge kommen. Grund für die Übernahme von Amiga Inc. sei die eingeführte Marke Amiga und die immer noch aktive Entwickler-Gemeinde, die KMOS in Zukunft aktiv fördern will. Für die Entwicklung neuer Amiga-Hardware sieht Hare vorerst keinen Bedarf -- solche Pläne setzten den Erfolg in anderen Märkten voraus. Ein neues AmigaOS auf Desktops sei vor allem zur Entwicklung von mobilen Anwendungen interessant.

Amiga Inc. war im Jahr 2000 angetreten, dem legendären Amiga wieder neues Leben einzuhauchen. Seit der Pleite des ursprünglichen Herstellers Commodore waren immer wieder neue Amiga-Computer angekündigt worden, die allerdings nie den Weg in die Läden fanden. Unter der Ägide von Geschäftsführer Bill McEwen wurde das AmigaOS 3.9 herausgegeben und die Entwicklung eines längst überfälligen AmigaOS 4.0 begonnen, das auf PowerPC-Prozessoren anstelle der betagten Motorola 68000er-Serie läuft. Vor kurzem wurde eine Pre-Release des neuen Betriebssystems veröffentlicht, ein Datum für die Freigabe der fertigen Version steht aber noch nicht fest. Amiga Inc. überließ die Arbeit an Desktop-Produkten Drittfirmen, während sich die Firma selbst mit der Entwicklung von Produkten für mobile Geräte beschäftigte. Doch aus den ambitionierten Plänen wurde nichts -- das einzige veröffentlichte Produkt war eine Spielesammlung für Pocket PC.

Für Ärger in der immer weiter schrumpfenden Amiga-Gemeinde sorgte die Firma mit dem Verkauf von Gutscheinen für das neue AmigaOS im Jahre 2002. Die Käufer des 100 Dollar teuren "Party Packs" sollten neben der Ermäßigung für das neue AmigaOS auch ein T-Shirt enthalten. Doch nicht einmal dieses symbolische Dankeschön konnte die Firma ausliefern. Zumindest diese Sorge könnten die Käufer bald los sein. Hare verkündete, dass die Textilien bereits zum Bedrucken unterwegs seien.

Das Erscheinen von AmigaOS 4 erwartet Hare für das Jahresende. Für hartgesottene Amiganer ist wieder etwas Licht am Ende des langen Tunnels. Ob sich an der bisherigen katastrophalen Informationspolitik in Sachen Amiga etwas ändern wird, bleibt noch abzuwarten. KMOS selbst hat keine Webseite und die Homepage der übernommenen Amiga Inc. schweigt sich bisher zu den neuen Entwicklungen aus. (Torsten Kleinz) / (jk)