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Amiga34 – Zwei Tage rund um den Kultcomputer

In Neuss fand vor einigen Tagen die Amiga34 statt: Ein zweitägiges Retro-Event mit Messecharakter rund um den Commodore Amiga.

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Der Amiga zieht noch immer! Davon konnten sich vergangenes Wochenende die Besucher der Retro-Veranstaltung Amiga34 im Landestheater in Neuss überzeugen. Während die Vorgänger lediglich einen Tag dauerten, lief die Messe diesmal über zwei Tage. Offenbar mit Erfolg: Am Sonntag waren nur noch Restkarten erhältlich, während am Samstag die Veranstaltung restlos ausverkauft war. Insgesamt lockte die Veranstaltung mehrere Hundert Amiga-Fans nach Neuss.

33 professionelle Aussteller aus ganz Europa und 14 User2User-Stände gaben der Amiga34 ein Messe-Feeling, wie man es aus den 90er-Jahren kannte. 30 eng getaktete Fachvorträge ergänzten die Veranstaltung.

Amiga34 - zwei Tage Retro pur.

An spannender Soft- und Hardware herrschte kein Mangel. Ein Messe-Highlight war der Vampire V4, ein Stand-Alone-Amiga auf FPGA-Basis mit 512 Megabyte Speicher und selbstentwickelten 68080er Softcore. Das System ist nochmal eine ganze Ecke schneller als die schnellsten Amigas mit 68060er-Turbokarten. - Damit lassen sich selbst Videos ohne Geschwindigkeitsverluste abspielen. Zur Messe hatte die Firma Apollo zwei Dutzend Systeme für 549 Euro mitgebracht, die innerhalb von Minuten vergriffen waren.

Unter dem Markennamen V2 zeigte Apollo zudem Turbokarten für Amiga 500 und 600 mit ähnlich großen Geschwindigkeitsvorteilen. Eine weitere spannende Erweiterung der Messe war die ZZ9000-Grafikkarte der Firma mnt für Amigas mit Zorro-II- oder Zorro III-Steckplatz für 329 Euro. Nicht nur ist mit dieser Karte prinzipiell Full-HD-Auflösung möglich, mit 1GB DDR3-Speicher, HDMI-Anschluss und einem Anschluss für Ethernet wird der Amiga weiter aufgewertet, wobei einige Features der Karte noch in Entwicklung sind.

Impressionen der Amiga34 in Neuss 2019 (30 Bilder)

Das Amiga34-Ausstellung war gut besucht.

Ebenfalls eine beeindruckende Vorstellung stellte die Warp560 dar, eine 68060-Turbokarte für den Amiga 500. Oder das Checkmate A1500-Gehäuse, das Imica Ltd. vorstellte: Damit kann der Amiga 500/600/1200 in einem formschönen, vom Amiga 3000 inspirierten Desktop-Gehäuse untergebracht werden. Überhaupt war neue Hardware ein Thema: Da die Amigas langsam aber sicher die 30 überschreiten, nimmt die Hardware-Instandhaltung einen immer größeren Raum ein. Und hier waren von überholten Amigas bis hin zu neu erstellten Replica-Mainboards verschiedener Modelle viele Lösungen ausgestellt, um den Amiga zukunftsfähig zu gestalten.

Aber auch in Bezug auf die Software gab es viele Neuerungen: Hyperion stellte etwas zurückhaltend eine Betaversion des AmigaOS 3.2 vor – eine Weiterentwicklung der Version 3.1.4., die vor einigen Monaten vorgestellt wurde und die für Streit mit Lizenzinhaber Cloanto sorgte. Fans der Next-Gen-Amigas durften sich ebenfalls freuen: Für Amiga OS4 wurde die Beta-Version einer LibreOffice-Umsetzung gezeigt und MorphOS erstmals in einer lauffähigen Version auf einem AMD64-PC-System.

Neue Spiele gab es ebenfalls: Anspielen ließ sich etwa Reshoot-R, ein bunter und fesselnder Horizontalshooter von Amiga-Joker-Redakteur und Spieleschreiber Richard Löwenstein, exklusiv für AGA-Amigas. Er zeigte zudem eine erste Betaversion eines Vertikalshooters Reshoot Proxima III, die schon sehr ordentlich aussah. Während die Reshoot-Teile modern aussahen, ging Sunlight-Games mit Gold Rush! einen ganz anderen Weg: Sie legten ein Sierra-Orginalspiel von 1989 neu auf und verkaufen es mit einer aufwändigen Verpackung sowie vielen Goodies, unter anderem mit dem PC-Remake von 2014.

Neben diesen Neuerungen konnte der interessierte Besucher diverse Orginal-Hardware, klassische Spiele und viel Amiga-Literatur erwerben. Auch ein Community-Award wurde verliehen: Den ersten Platz errang das Apollo-Team für seine Vampire-Beschleuniger-Hardware. Auf Rang zwei wurde Bert "Wepl" Jahn für WHD-Load gewählt, ein Softwarepaket, das es ermöglicht, Amigaspiele kompatibel und festplattentauglich zu machen. Den dritten Platz holte sich Checkmate mit dem A1500-Gehäuse.

Amiga-Musik-Guru Chris Hülsbeck stellt am Keyboard Amiga-Guru Dave Haynie seine neuen Melodien vor.

Amiga-Entwicklergrößen waren auch zugegen: ob Chris Hülsbeck – der Musikguru, der für die Musik in vielen Amiga-Klassikern z. B. Giana Sisters, Katakis, den Turrican- und Monkey-Island-Teilen verantwortlich war, oder Dave Haynie, Entwickler späterer Amiga-Modelle wie A3000 und bis zuletzt Commodore verbunden. Am Sonntag spielten die beiden spontan mit Patrick Nevian zusammen "to the Mountaintop" von Chris Hülsbecks Patreon-Projekt:

Chris Hülsbeck (links), Dave Haynie (Gitarre) und Patrick Nevian (Keyboard) spielen auf der Amiga34.

Der Organisator Markus Tillmann, der diese Art der Veranstaltung bereits zum dritten Mal durchführte, zeigte sich jedenfalls sehr zufrieden: Viele freiwillige Helfer sorgten mit Tatendrang für einen reibungslosen Ablauf der nicht anspruchslosen Veranstaltung. Der Zeitplan und die Technik funktionierten, die Rückmeldungen von Ausstellern und Besuchern seien sehr positiv gewesen. Auch seine Bedenken, ob das Dargebotene für die 2-Tages-Besucher ausreiche, seien zerstreut worden.

Ohne ihn ging nichts: Organisator Markus Tillman (Bildmitte)

Wenn Tillmann in Zukunft auch weiterhin auf seine Helferbasis zurückgreifen könne, habe er jedenfalls keine Probleme, eine nächste Ausstellung zu organisieren. Ob es bereits eine Amiga35 in einem Jahr oder erst eine Amiga36 wird, sei aber noch völlig offen.

Der Amiga ist natürlich auch Thema der c't Retro 2019, die es ab Donnerstag, den 24. Oktober, am Kiosk, im Browser und in der c't-App für iOS und Android gibt. c't-Abonnenten erhalten das Heft ab dem 22. Oktober.
Das Heft ist auch Thema in der aktuellen Folge von c't uplink:

(mawi)