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Technology Review

Aminosäure in Kometen gefunden

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals die Aminosäure Glycin und Phosphor in der Gaswolke des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nachgewiesen.

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Aminosäure in Kometen gefunden

Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufgenommen von der Rosetta-Sonde am 15. August 2015. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Komet seine geringste Entfernung zur Sonne.

(Bild: ESA)

Ein internationales Forscherteam konnte sie nach der Auswertung von Massenspektren der Rosetta-Mission zweifelsfrei die Aminosäure Glycin, Methylamin, Ethylamin und Phosphor in der Gaswolke um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nachweisen. Das berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances.

Obwohl mittlerweile mehr als 140 verschiedene organische Moleküle im All nachgewiesen wurden, sind Aminosäuren bisher nicht darunter. Sie bilden die Grundbausteine von Muskeln, Bindegewebe, Hormonen und Enzymen. Bei dem bislang einzigen Nachweis von Glycin in Kometen-Staub, den die Stardust-Mission der NASA 2004 vom Kometen Wild 2 geborgen hatte, konnte eine irdische Kontamination nicht ausgeschlossen werden.

Der Nachweis von Glycin dürfte die These stärken, dass das Rohmaterial für die Entwicklung des Lebens über Kometen auf die Erde gelangte. Dafür spricht unter anderem die weite Verbreitung von Kohlenstoffverbindungen im Weltraum, berichtet Birgit Herden in der aktuellen Ausgabe von Technology Review ("Lebt da was?", TR 6/16 S. 26).

Mit immer aufwendigeren Teleskopen identifizieren Radioastronomen organische Moleküle anhand ihrer charakteristischen Spektrallinien. Besonders das Atacama Large Millimeter Array (ALMA) treibt seit 2013 diese Forschung voran, ein in den chilenischen Anden aufgestelltes Radioteleskop. Auch mit ihm ist der direkte Nachweis von Aminosäuren zwar nicht gelungen, weil ALMA nicht empfindlich genug ist. Dafür aber spürte es in der gigantischen, rund 27000 Lichtjahre entfernten Gaswolke Sagittarius B2 ein Molekül namens iso-Propylcyanid auf. Es ähnelt mit seiner verzweigten Struktur dem Rückgrat von Aminosäuren und fand sich ausgerechnet in einer Region, in der besonders viele neue Sterne und Planeten entstehen.

Und ein weiteres Indiz spricht für diese These: Uwe Meierhenrich von Universität Nizza Sophia-Antipolis beispielsweise erzeugte im Labor aus Wasser, Ammoniak, Methanol und Kohlendioxid unter simulierten Weltraumbedingungen in Eis-Staub-Partikeln eine Vielzahl an Aminosäuren und Zuckern, den Grundbausteinen von Proteinen und RNA. Bei weiteren Versuchen entstand sogar ein leichtes Übermaß an sogenannten linkshändigen Aminosäuren – eine weitere Besonderheit irdischen Lebens.

Es ist also durchaus möglich, dass das Rohmaterial, aus dem sich Lebewesen zusammensetzen, über Kometen auf die Erde gelangte. Wenn dem so ist, könnte es auch auf anderen Planeten gelandet sein und dort Lebensformen hervorgebracht haben.

Hochaufgelöste Nahaufnahmen von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (26 Bilder)

Eine Aufnahme aus knapp 10 Kilometern Entfernung, gemacht Ende Oktober 2014 (Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

(wst)

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