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Analyse: Die meisten Regierungs-Websites in der EU enthalten Tracker

Dass Nutzer auf kommerziellen Websites mit Trackern erfasst werden, ist bekannt: Eine Studie aus Dänemarkt zeigt: Auch amtliche Websites übertragen Nutzerdaten.

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(Bild: Cookiebot)

Eine Studie des dänischen Datenschutz-Dienstleisters Cookiebot zeigt: Auch wer auf amtlichen Websites surft, wird von kommerziellen Trackern erfasst. Wer beispielsweise offiziellen Rat in Gesundheitsfragen sucht, landet trotzdem ebenfalls in den Datenbanken der Werbeindustrie.

Für die Studie hatte der Anbieter die Regierungs-Websites der 28 Mitgliedsstaaten der EU automatisiert nach den gängigen kommerziellen Tracking-Skripten untersucht. Das Ergebnis: 25 von 28 Regierungs-Websites enthielten zumindest manche Tracker.

Spitzenreiter ist demnach die Website der französischen Regierung, die insgesamt auf 52 verschiedene Tracker kommt, gefolgt von Lettland mit 27 Trackern und Belgien mit 19. Nur drei Regierungs-Websites kamen ganz ohne externe Tracker aus: Die spanische, niederländische und die deutsche Bundesregierung halten ihre eigenen Websites frei von der Werbetechnik.

Bei einem zweiten Suchdurchlauf widmete sich Cookiebot explizit amtlichen Gesundheitsinformationen zu potenziell brisanten Themen wie HIV-Erkrankungen, Alkoholismus oder Schwangerschaften. Auch hier war das Ergebnis ernüchternd: 52 Prozent der gefundenen Websites enthielten Tracker, die die Daten über den Besuch der Website an Dritte weiterleiten.

Auch deutsche Angebote waren betroffen. Während Angebote von Bundesbehörden wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung datenschutzfreundlich gestaltet sind, sieht es bei den oft privatwirtschaftlich betriebenen und werbefinanzierten Städteportalen ganz anders aus. So fand Cookiebot neben Informationen zum Mutterschaftsurlaub beim Städteportal hamburg.de ganze 70 Tracking-Verweise. Eine Übersichtsartikel zur Behandlung auf Alkoholsucht bei Berlin.de lieferte Daten der Besucher an 20 verschiedene Tracking-Domains.

Ob den Behörden dabei jeweils bewusst ist, dass sie Daten ihrer Bürger an Dritte weitergeben, erscheint Cookiebot dabei ungewiss. So seien extern eingebundene Angebote oft eine ergiebige Datenquelle. Der auf der Website der irischen Gesundheitsbehörde gefundene Sharethis-Button übertrage Daten an gleich 20 verschiedene Tracking-Domains. Auch die auf 22 Regierungs-Websites eingebundenen YouTube-Videos übertrugen Daten an Googles Werbeanbieter DoubleClick. (mho)