Analyse: Facebook hat einen Lauf

Das Ergebnis verbessert, die Finanzanalysten positiv überrascht, einen signifikanten Kurssprung nach oben ausgelöst: Facebooks Quartal ragt heraus. Das Wachstum ragt aber auch in dem Sinne hervor, dass sich solch Wachstum nicht so bald wiederholen dürfte.

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Facebook hat Mittwochabend ein herausragendes Quartalsergebnis vorgelegt. Herausragend in mehrfacher Hinsicht: Erstmals hat die Plattform mehr als eine Million Werbekunden. Der Umsatz ist im Jahresabstand um 53 Prozent nach oben geschnellt. Und Facebook hat im aktuellen Quartalszahlenreigen jenen Dreisprung geschafft, der den anderen Branchengrößen wie Google, Microsoft, eBay oder Yahoo verwehrt geblieben ist: Das Ergebnis verbessert, die Finanzanalysten positiv überrascht und einen signifikanten Kurssprung nach oben ausgelöst: Plus 16,75 Prozent im nachbörslichen Handel.

Facebooks Wachstum ragt aber auch in dem Sinne hervor, dass sich solch Wachstum nicht so bald wiederholen dürfte. Grund dafür sind die Reklameeinblendungen in Facebooks Newsfeed, die sich wie die warmen Semmeln verkaufen. Und obwohl Facebook die Menge dieser Werbung erhöht hat, so dass inzwischen durchschnittlich fünf Prozent aller Newsfeed-Einträge bezahlte Werbung sind, haben die in den Werbeauktionen erzielten Preise pro Click weiter zugelegt. Dies deutet darauf hin, dass die Nachfrage schneller steigt, als Facebook das Angebot erweitert hat.

Das zweite Quartal 2103 war aber das letzte, in dessen Vergleichsquartal 2012 diese Reklameform noch kein großer Umsatztreiber war. Gleiches gilt für Werbung auf Handys. Mit anderen Worten: Im nun laufenden Quartal sind die Vergleichswerte des Vorjahres ein ganzes Stück höher, sodass solch hohe relative Umsatzzuwächse unwahrscheinlicher werden.

In Dollar dürfte Facebooks Umsatz aber weiter ordentlich wachsen. Die monatlich und täglich aktiven Nutzer werden weiter mehr, die Menge der Interaktionen nimmt zu, und auch die Zeit, die User auf Facebook verbringen, wird länger. Zudem schafft es das Unternehmen immer besser, die stark steigenden Zugriffe von mobilen Endgeräten in Werbeeinnahmen umzumünzen. Die Plattform hat bereits mehr täglich aktive User auf mobilen Geräten als auf herkömmlichen Computern und Laptops. Bald soll auch mehr als die Hälfte der Werbeumsätze aus dem Mobilsegment kommen. Im zweiten Quartal waren es bereits 41 Prozent.

Umsatz ist aber nicht gleich Gewinn. CFO David Ebersman warnte, dass die Kosten im laufenden Jahr schneller wachsen werden, als die Einnahmen. Und die stark gestiegene Zahl der Werbung im Newsfeed nervt die User langsam. "In neuen Untersuchungen haben uns die Leute gesagt, dass sie die Werbung mehr wahrgenommen haben", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten vorsichtig, "Also werden wir mehr investieren, um die Qualität (der Werbung) zu verbessern."

Sein überraschendes Mittel: Mehr Werbekunden. "Unsere oberste Priorität ist die Erhöhung der Zahl der Vermarkter und der generellen Nachfrage (nach Werbeschaltungen) in unserem System, anstatt einfach die Zahl (der Einblendungen) zu erhöhen." Das soll für mehr Wettbewerb bei der Versteigerung der Werbeplätze sorgen, "und das wird das beste Erlebnis für Leute, die unsere Produkte verwenden, zeitigen, das beste Ergebnis für die Vermarkter und das beste Resultat für uns."

Und dann war da noch Instagram. Auch bei diesem Produkt verzeichnet die Firma Facebook starken Zulauf. Vor einem Monat wurde der Upload kurzer Videoschnipsel ermöglicht. "Jede Minuten laden die Leute bereits mehrere Stunden Videos hoch", berichtete Zuckerberg. Letztes Monat hatte Instagram mehr als 130 Millionen aktiver Nutzer. "Wir erwarten, mit der Zeit großen Profit damit zu generieren", meinte Zuckerberg. Im Moment ginge es aber darum, viele weitere Instagram-Nutzer zu gewinnen. "Und wenn die richtige Zeit kommt, dann werden wir darüber nachdenken, auch Werbung zu schalten. Ich glaube, das wird eine richtig große Gelegenheit werden." (jk)