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Analyse: Facebook holt das meiste Geld in Nordamerika

User in den USA und Kanada bringen Facebook mehr als zehn Dollar je Quartal. Europäer sind nur einen Bruchteil "wert", und der Rest speist die Portokasse.

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Für Facebook ist es wahrlich das gelobte Land.

(Bild: 16@r CC-BY-SA 3.0 )

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Im September hat Facebook erstmals mehr als eine Milliarde DAUs (Daily Active Users) gezählt. Das geht aus Facebooks Quartalsbericht hervor. Er verrät die Trends in der Facebook-Nutzung: Immer mehr am Handy und immer häufiger in Asien. Das große Geld allerdings macht Facebook mit Nutzern in den USA und Kanada.

So verteilen sich die DAUs über die Welt.

(Bild: Facebook)

Facebook teilt seine User in vier geographische Klassen: USA plus Kanada, Europa, Asien-Pazifik sowie den Rest der Welt. Asien-Pazifik ist sowohl die größte Usergruppe als auch die mit dem größten Zuwachs. Auf Platz 2 liegt jeweils der "Rest der Welt". Nur jeder sechste DAU lebt in Nordamerika, wo Facebook zu Hause ist.

Doch dieses Sechstel ist den 2,5 Millionen Werbekunden, die Facebook hat, ein Vielfaches wert. Durchschnittlich knapp 10 US-Dollar Werbeumsatz hat Facebook mit jedem nordamerikanischen User im dritten Quartal gemacht (Average Revenue per User, ARPU). Das ist um die Hälfte mehr als vor einem Jahr.

In Europa beläuft sich der Werbe-ARPU auf 3,33 US-Dollar. Der Zuwachs betrug hier ein Viertel. Ein User in Asien-Pazifik steuerte 1,39 Dollar bei (+21%), während mit dem Rest der Welt kein Staat zu machen ist: Der ARPU liegt dort auch nach einem Anstieg von 12 Prozent unter einem Dollar.

Anders ausgedrückt: Ein nordamerikanischer Facebook-User ist für Facebooks Reklamegeschäft siebenmal so viel "wert" wie ein asiatischer und mehr als zehnmal so viel wie einer aus dem "Rest der Welt". In dieser Berechnung noch nicht berücksichtigt ist Facebooks Nebenerwerb mit Transaktionsgebühren, der sich fast ausschließlich in Nordamerika abspielt.

Der weltweite Werbe-ARPU Facebooks liegt übrigens bei 2,83 Dollar. Immerhin: Der ARPU ist in allen Regionen gestiegen, trotz des erstarkenden Dollars, und obwohl die absolute Zahl der Werbeeinblendungen um zehn Prozent gefallen ist. Facebook konnte den durchschnittlichen Preis pro Werbeschaltung um mehr als 60 Prozent erhöhen.

Die beiden Länder teilen sich die längste Landgrenze der Welt.

Jetzt kommt noch Instagram in vollem Umfang dazu: Neuerdings können Werbetreibende in jedem Land, in dem sie Facebook-Werbeflächen erstehen können, auch auf Instagram ihre Botschaften verbreiten. Ein Teil der Werbebudgets wird sich zwar von Facebook.com auf Instagram verlagern, aber insgesamt erwartet das Management höhere Umsätze.

Einst war Instagram vollumfänglich gratis und werbefrei. Die Strategie von Firmengründer Mark Zuckerberg ist simpel und bereits von Facebook bekannt: Wenn einmal alle an Bord sind, werden nach und nach Reichweitenbeschränkungen und Werbung eingeführt. Er hält damit auch nicht hinter dem Berg. "Anstatt uns zuerst auf Werbung zu konzentrieren, haben wir Pages [Facebook-Seiten für Unternehmen, Anmerkung] gemacht, und wir haben sie gratis gemacht", sagte Zuckerberg Ende Juli, "Damit konnten so viele Unternehmen wie möglich ins Netzwerk kommen."

Derzeit läuft das gleiche Spiel bei Messenger und Whatsapp. "Die langfristige Wette ist, dass wir Leuten ermöglichen, gute natürliche Interaktionen mit Unternehmen zu haben. Das wird am Ende ein massiver Multiplikator des Werts der Monetarisierung sein", weiß Zuckerberg.

Übrigens: Nicht überall, wo Facebook drin ist, steht auch Facebook drauf. Zuckerbergs Datenbanken kennen seine User inzwischen so gut, dass die gar nicht mehr auf Facebook oder Instagram kommen müssen, um dem Unternehmen Geld zu bringen; es ortet sie auch anderswo. Entsprechend kann Facebook seinen Werbekunden dabei helfen, Werbung auf verschiedenen Geräten, Apps und Webseiten auf den jeweiligen User zuzuschneiden. Gegen einen Obolus, versteht sich. (ds)