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Technology Review

Analyse: Google will den Autofahrer abschaffen

Glaubt man Untersuchungen, schlagen Fahrzeugassistenzsysteme Menschen fast immer. Den Internetriesen bringt das zum Strategiewechsel bei seinen autonomen Fahrzeugen.

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Das in der letzten Woche präsentierte Google-Auto bringt eine entscheidende Neuerung: Gefahren wird künftig komplett durch den Computer. Das ist der zentrale Strategiewechsel bei den autonomen Fahrzeugsystemen des Internetgiganten, schreibt Technology Review in einer aktuellen Analyse in seiner Online-Ausgabe.

Die Ingenieure des Datenkonzerns hatten bislang bei ihren automatisierten Lexus-SUVs eine Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine vorgesehen, in der die Maschine für Autobahnfahrten vorgesehen war. "Die Idee war, dass der Fahrer den Wagen auf die Autobahn steuert und das Selbstfahrsystem aktiviert, das den größten – und langweiligen – Teil der Fahrt übernimmt", sagt Nathaniel Fairfield, einer der leitenden Ingenieure in dem Forschungsprojekt.

Tests hätten jedoch gezeigt, dass Menschen als Copiloten für das autonome Fahrsystem nicht vertrauenswürdig genug sind. Am Anfang der Tests verfolgten die Fahrer noch aufmerksam, was das Auto macht und was in der Straßenumgebung vor sich geht. Die Übergabe von Mensch an Maschine funktionierte reibungslos. Doch im Verlauf der folgenden Wochen und Monate wurden die Fahrer immer unaufmerksamer, bis sie schließlich dem autonomen Fahrzeug zu sehr vertrauten. "Menschen sind bequem", sagt Fairfield. "Erst sind sie zurecht argwöhnisch, doch dann werden sie zu vertrauensselig."

Der Schritt zum vollständig autonomen Fahrzeug passe auch besser zu Googles ursprünglicher Vision von Roboterfahrzeugen, die "jeden überall hinbringen". Damit verfolgt Google nun eine ganz andere Strategie als die Autohersteller, die dem Menschen am Steuer immer die letzte Kontrolle lassen wollen.

Die neue Fahrzeugtechnologie zur Marktreife zu entwickeln, wird dadurch aber schwieriger. Denn die Steuersoftware muss künftig nicht nur für Autobahnfahrten ausgelegt sein, sondern auch für die Bedingungen im innerstädtischen Straßenverkehr. Bis die Google-Eier durch die Städte rollen, werden noch einige Jahre vergehen.

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(bsc)

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